Donnerstag, 8. November 2018

Hape Kerkeling - „Der Junge muss an die frische Luft“

Hape Kerkeling
Das Kind muss an die frische Luft
Verlag: Piper
ISBN: 9-783-492-96739-6
Seiten: 227

Eine Kollegin hat mir das Buch ans Herz gelegt. Sie meinte, dass seine Kindheit gar nicht so toll war. Das konnte ich allerdings gar nicht so recht glauben. Deswegen habe ich zugesehen, dass ich an dieses Buch komme und es dann gelesen. - Oh man, es stimmt! Leicht hatte er es in keinem Fall.

Nach dem misslungen Thriller vorher, habe ich das Buch förmlich verschlungen. Kaum zu glauben, dass dieser von Grund auf fröhliche Mensch so etwas durch hat...
Von der Schreibweise her hatte ich ein paar Problem, in das Buch rein zu kommen. Hape Kerkeling schreibt in fast endlosen Schachtelsätzen. Da braucht es schon eine gewissen Portion Aufmerksamkeit, wenn man da alles mitbekommen will. Und dann nutzt er auch das ein oder andere Fremdwort, was mich stellenweise aus dem Konzept gebracht hat. Aber irgendwann war ich dann voll drin und habe die Lektüre voll auskosten können.
Genießen kann man diese Lektüre wohl nicht. Dazu sind die Dinge, die er schreibt, stellenweise der pure Horror. Und dann schreibt er so ehrlich und unverblümt, dass ich die komplette Gefühlspalette mit ihm durchlebt habe. Und leicht war das nicht. Nicht nur einmal bin ich von einem herzhaften Lachen ins Thal der Tränen gestürzt.
Zu einer Biografie gehört meiner Meinung nach eigentlich ein Bildteil. Hier hat der gefehlt. Kann ich bei der Kindheit allerdings auch voll und ganz verstehen. Wer weiß, ob es da überhaupt so viele Bilder gibt...
Statt dessen hatte ich aber ein ehrliches Kopfkino vor meinem geistigen Auge. Ganz schlimm war das bei den Beerdigungszenen. Da konnte ich seine innere Zerrissenheit so richtig spüren.
Ja, hierbei handelt es sich um eine Biografie. Allerdings um eine, die sich nicht steif und stur lesen lässt. Rein theoretisch liese sich aus dem Stück auch ein Roman machen. - Und ich kann diese Zeilen nur jedem ans Herz legen. Hape Kerkeling muss ein unheimlich starker Mensch sein, wenn er nach der Kindheit nicht selber komplett kaputt ist.
Ich ziehe eine Lehre aus diesem Buch. Nämlich die Tatsache, dass man mit Ehrlichkeit einfach immer noch am Weitesten kommt. Und, dass man sich vom Leben nicht fertig machen lassen muss. Einmal von Herzen ausgeweint und dann weiter im Text.
Hape Kerkeling, meine Hochachtung!!!

Ich bewerte das Buch mit den vollen 5 von 5 möglichen Sternen. Es gehört eine Menge dazu, will man so einen Stoff schreiben und keinen schlecht dastehen lassen. Dieser Spagat ist Hape Kerkeling hier gelungen Er schreibt ehrlich und ungestört über die guten und die schlechten Dinge in seiner Kindheit.
Ich kann auch das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Man lernt diesen Menschen von einer ganz anderen Seite kennen. Macht euch wirklich mal ein Bild von diesen Buch. Die Leseprobe auf meiner Website wird dabei sicherlich helfen.
Wir lesen uns!

(Auszüge des des Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von"TanteGhost" zu finden.)