Dienstag, 8. August 2017

Joachim Gerhard - „Ich hole euch zurück“

ISBN: 9-783-596-29614-9

Auf das Buch hatte ich mich schon gefreut, so lang wie es auf meinem SuB lag. Was bewegt deutsche Jungen dazu dem IS beizutreten, was machen die Eltern in dem Moment durch und kann ein betroffener Vater überhaupt von irgendwo her Hilfe erwarten? - Ich habe echt gehofft, das Buch würde mir diese Fragen beantworten.

Inhalt:
Ein Vater schreibt hier eindrucksvoll über das Schicksal seiner Söhne, die erst zum Islam konvertiert sind und dann, eines Tages, für den IS in Syrien kämpften.
Er beschreibt seine Gefühlswelt, über seine Suche nach den Söhnen Und auch von den vielen vergeblichen Reisen. Der Leser kann sehr gut nachvollziehen, wie schlimm es gewesen sein muss, so oft knapp am Ziel vorbei zu schießen.
Eine Vater, der seine Söhne nicht aufgibt und aus der Ferne für sie kämpft.

Gleich am Anfang geht es mal richtig rein. Der Vater trifft sich hier mit einem Geheimdienstagenten in einem frankfurter Hotelzimmer. Gleichzeitig haben sind auch bei mir Emotionen und Ängste da gewesen. Sofort hätte ich die Bilder im Kopfkino laufen.
Außerdem erfährt der Leser auch die Geschichte, wie die Söhne abgereist sind. - Ein mehr als gelungener Einstieg!
Aber dann entwickelt sich alles, wie es bei diesen Schicksalsbüchern eben üblich ist. Der Betroffene, in dem Fall der Vater, erzählt und der Leser dringt in die Story ein.
Also rein emotional hat mich der Stoff ja ganz schön geflasth. Erst erleidet der Vater den Schock, weil die Söhne zum IS gehen und dann wendet er Unmengen an Zeit und Geld auf, weil er sie da wieder raus holen will. So oft scheint er am Ziel und fährt am Ende doch inverrichteter Dinge wieder heim.
Dass er da nicht selber dran kaputt gegangen ist, wundert mich total.
Alles hat sich super einfach lesen lassen. Keinerlei Verständnisprobleme waren zu beklagen. Fremdwörter kommen nicht vor und alles ist super beschrieben. Genau so, dass mir zwar der Kopfkinofilm blieb, mir aber auch nicht schlecht wurde, ob der ganzen Gefühlsduselei. - Es war sicher nicht einfach, da in der Waage zu bleiben.
Besonders dick war das Buch nicht. Deswegen war das Vergnügen auch nicht besonders lang. Deswegen aber nicht minder spannend.
Bilder sucht man leider vergebens. Die hätten zwar den Text noch etwas aufgelockert, aber auf der anderen Seite kann ich auch den Vater verstehen. Er hat ja davon geschrieben, wie feindselig seine Umwelt mitunter auf sein Schicksal reagiert hat.

Das Buch bekommt von mir auf jeden Fall die vollen 5 von 5 möglichen Sternen. Es muss eben nicht immer eine Krankheit sein, die ein schweres Schicksal macht. Und das Thema IS ist beweiten noch lange nicht vom Tisch. Warum dann nicht auch mal von der Seite her aufmerksam machen...
Für alle Interessierten gibt es wieder eine Leseprobe auf meiner Website. Und JA, ich spreche hier auch eine eindeutige Leseempfehlung aus.

(Auszüge des Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von"TanteGhost" zu finden.)