Mittwoch, 5. Juli 2017

S.L. Grey - „Underground“

ISBN: 9-783-641-15309-0

Ein schwarzes Cover, zwei Fahrstuhlpfeile, wenn es welche sein sollen, und die nötigen Angaben. Mehr befindet sich nicht auf dem Cover. Trotzdem bin ich neugierig geworden, als ich das Buch gesehen und den Klappentext gelesen habe. Also wanderte es in meinen Besitz und war dann genau die Spannung, die ich zum genesen, nach meiner OP gebraucht habe.

Eine absolut tödliche Epidemie grassiert auf der Erde und wandert langsam aber sicher von Land zu Land. Es tötet die Menschen und ein Impfstoff ist noch nicht gefunden.
Ein einzelner Mann hat daraus ein Geschäft gemacht, einen unterirdischen Atombunker gekauft und ihn zu einer Luxus-Survival- Wohngelegenheit umgebaut. Absolut autark, für eine solche Katastrophe genau geeignet. - Die Wohnungen werden nun so langsam aber sicher von den Käufern bezogen und am Ende wird der Bunker verriegelt, um die Epidemie aussitzen zu können.
Doch schon nach kurzer Zeit kommt es zu sehr seltsamen Ereignissen:
Zunächst einmal bricht im Kontrollraum ein Brand aus, der das WLan und das Internet nach außen lahm legt. Dann stirbt der Bauherr und somit Chef des Projekts. Die ersten Ängste machen sich breit, dass man mit einem Mörder zusammen lebt.
Nach und nach sterben eine kranke Frau, ein Bauarbeiter, der sich versteckt hat, taucht auf der Versenkung auf und weitere Morde geschehen. Die unterschiedlichen Charaktere der Menschen sind hier nicht gerade hilfreich und die Situation spitzt sich zu, da jeder jedem den schwarzen Peter zuschiebt. Jeder kann die Morde verübt haben und jeder streitet es ab.
Der Bunker ist abgeriegelt, die Menschen sind darin eingeschlossen. Mit dem Tod des Bauherrn ist auch die Möglichkeit zu entkommen gestorben. Wasser und Lebensmittelvorräte werden durch einen missglückten Sprengversuch knapp und knapper und am Ende wollen sich die restlichen Überlebenden selber erlösen.
Doch im letzten Moment kommt ihnen eine Sicherheitslücke zur Hilfe und das Schlimmste kann verhindert werden.
Aber wer hat die Morde im Bunker verübt?

Am Anfang schien es mir einfach eine Geschichte zu sein, in der Menschen, die sich wegen überschüssigem Geld für etwas Besseres halten, vor einer Epidemie fliehen und glauben sie so aussitzen zu können. Doch schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass die Story hier durch die unterschiedlichen Charaktere spannend wird. Da müssen höchst gläubige, vielleicht sogar fanatische, Landeier mit dem wirklich besser betuchten Geschäftsmann klar kommen. Ein Mädchen ist unfreiwillig mit da unten, kümmert sich aber um die Jüngste im Bunde. Eine Multiculti-Familie hat von Anfang an mit Vorurteilen und Rassismus zu kämpfen und dann auch noch die kranke Frau, die man zunächst gar nicht erst rein lassen will. - Dazu noch die ganzen Katastrophen und Unfälle, die sich häufen und gerade dann im Bunker zu einem Problem werden. Ich war einfach nur gefesselt.
Die Kapitel sind so aufgeteilt, dass immer aus Sicht einer anderer Person erzählt wird. Das macht es spannend und hat mich am Ende noch komplett mit fiebern lassen, wer nun wirklich die Morde verübt hat. Das Dumme an der Sache war nur, dass der den ich verdächtigt habe, dann selber gestorben ist....
Trotzdem das Buch auf recht engem Raum spielt, ist es nie langweilig geworden. Immer und immer wieder sind neue Aspekte aufgetaucht, die der Handlung und auch meinen Spekulationen immer wieder neue Wendungen gegeben habe. - Am Ende wollt eich eigentlich nur noch wissen, wer die Morde nun verübt hat. Aber mit der Aufklärung hat der Autor wirklich bis zum Schluss gewartet. Und auch dann war die Spannung nicht zu Ende, denn gerade die Unschuld vom Lande hat dann doch noch ein großes Trauma an den Tag gelegt.
Die ganze Zeit über hatte ich ein richtig wildes Kopfkino. Ich habe den Bunker vor mir gesehen, ich habe den nackten Stahlbeton, aber auch den teilweise verschwenderischen Luxus gesehen. Und ich habe die leidenden und auch die egoistischen Menschen vor mir gesehen, wie sie versuche zu überleben und sich gegenseitig aus dem Weg zu räumen. - Ein mehr als spannender Film.
Dazu kam noch der kurze aber prägnante Schreibstil. Alles war ausreichend erklärt. Genau so, dass es weder die Handlung stoppte oder langweilig wurde, ich aber trotzdem genaue Bilder in meinem Kopf hatte. Genau so, wie ein gutes Buch sein muss eben.

Das Buch bekommt in jedem Fall von mir eine Bewertung von 5 von 5 Sternen. So eine gute Lektüre hatte ich lang nicht. und das Lesen hat auf jeden Fall so richtig heftig Spaß gemacht. Ich konnte kaum von dem Buch lassen und habe mich von den Schwestern regelrecht gestört gefühlt, wenn sie wegen der täglichen Kleinigkeiten vorbei gekommen sind... *lach
Für alle Interessierten gibt es wieder eine Leseprobe auf meiner Website. Aber vorsicht! Ich kann nicht garantieren, dass euch dieses Stück Text nicht schon anfixt und ihr dieses Buch am Ende unbedingt lesen wollt.

Wir lesen uns!

(Auszügedes Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von"TanteGhost" zu finden.)