Montag, 29. Mai 2017

Stephan M. Rother - „Das Babylon-Virus“

ISBN: 9-783-442-37443-4

Wenn ich jetzt noch wüsste, was mich an den Cover so angemacht hat, würde ich es euch sagen. Man sieht ja nichts weiter als einen bläulichen Hintergrund und an der unteren linken Ecke einen aus Gold scheinenden Gegenstand. Der hat sich als Käfer entpuppt. Ansonsten den Autor und dann in Form eines Kreuzworträtsels den Titel.
Ich denke mal, dass es der Titel war, der mich angemacht hat. Das Wort "Virus" allein lässt ja schon auf aufregenden Stoff hoffen...
Eine Grippewelle bricht über die Welt herein. Und auch in der kleinen Restaurationswerkstatt in Rom fehlen schon die ersten Leute. Der Capo bekommt es schon mit der Angst zu tun, dass es mehr Menschen werden, als ihn das seltsame Schreiben von einem alten Freund erreicht. "lesen - lösen - herbringen"
Das Schreiben entpuppt sich als ein Brief von Einstein, der die Geschichte vom Turmbau zu Babel nieder geschrieben hat.
Amadeo, der Capo, stürzt sich mit Feuereifer in die Sache, kann das Rätsel aber nur durch einen Zufall zu lösen. Er bringt es zum Professor nach Weimar und landet direkt in einem generationenübergreifenden Gelehrtenspielchen, bei dem es um nichts weiter als das Heilmittel dieser Grippe geht. Denn diese Grippe entpuppt sich inzwischen als Seuche, die die Menschheit entzweien soll. Genau so, wie es beim Turmbau zu Babel gewesen sein soll.
Wie es bei allen guten Sachen aber ist, sind auch hier die bösen, die zwielichtigen Gestalten hinter des Rätsels Lösung her. - Der Capo und seine Verbündeten müssen sich beeilen. Zum einen muss der Professor als einer der ersten Grippekranken gerettet werden und dann natürlich die gesamte Menschheit.

Ich bin nur schwer in die Handlung hinein gekommen. Es beginnt sehr sehr harmlos in einer Restaurationswerkstatt in Rom. Von dort zweigt es in recht langwierige Beschreibungen von Orten und Personen und dem Versuch, ein Rätsel zu lösen. Bis allein das erste Rätsel gelöst war, hätte ich schon fast wieder aufgegeben. Aber die Hoffnung auf etwas Spannung ließ mich dann doch am Ball bleiben. Lang und ausgiebig beschreibt der Autor die Situationen, die Leute und alles was den Protagonisten so durch den Kopf geht.
Und auch bei den folgenden Rätseln wird es nicht anders. Es bleibt nicht nur bei dem einen Text, sondern einer führt zum anderen und jeder wird älter. - Es ist die Rede davon, dass das Spielchen weiter geht, bis zum tatsächlichen Turmbau zu Babel und da hätten die Protagonisten noch viele viele Rätsel lösen können. Aber die Handlung macht dann plötzlich irgendwann einen Sprung und das Rätsel dröselt sich auf.
Dass dann irgendwann Widersacher dazu kommen und rohe Gewalt verübt wird, vermag dem Buch auch nicht mehr wirklich noch Spannung zu verleihen. - Ich habe einfach nur runter gelesen, in der Hoffnung, dass es doch bitte bald zu Ende gelesen sein möge.
Das Ende hat dem Autor sicherlich noch einmal ein ganzes Stück Mühe gekostet. Keine Frage, aber vom Hocker gehauen hat es mich dann auch nicht wirklich. Meiner Meinung nach war die Lösung dann doch eine Runde zu mysteriös, um noch in den Rest der Handlung zu passen.
Ein elektrostatischer Nebel in einem Felsengeflecht in Afghanistan, ringsrum toben Krieg und Unruhen, und eine Gruppe Forscher marschiert da rein und löst das Rätsel. - Ganz genau!!! *Ironie aus*
Alles war so beschrieben, dass auch ein Otto Normalverbraucher alles recht gut verstanden hat. Selbst die Gelehrtentexte in allen möglichen Sprachen haben nicht wirklich ein Problem dargestellt, da sie ja immer wieder erklärt wurden. Der Leser hat an der Lösung des Rätsels immer und immer wieder teil genommen. Außer dann zum Schluss, da hat der Autor dann in einer Schnellversion geschrieben. Ihm wurde das Spielchen dann wohl auch zu doof.
Leseunterbrechungen habe ich immer wieder gern gemacht. Ich war nicht wirklich gefesselt. Von dem Titel habe ich mir eben weitaus mehr versprochen.
Nach den Unterbrechungen bin ich dann auch immer wieder gut in die Handlung hinein gekommen. Das lag wohl an den ausführlichen Beschreibungen. Ruckzuck wusste ich, wo ich stehen geblieben war und wo der Hase lang läuft.
Ein recht guter Mix aus Personen hat hier mit gespielt. Der Autor hat das eine oder andere Klischee durchbrochen, indem er einen kleinen Restaurator zum Helden gemacht hat und dessen Freundin zu Rambo, im übertragenen Sinne. Er hat versucht Dramatik einzubauen, indem er die Protagonisten ein Grab schänden lies und später eine Verfolgungsjagd inszenierte. - Aber wirklich gefesselt war ich nie.
Die Kapitel fand ich stellenweise elend lang. Sie waren auch extrem unterschiedlich lang. Das hat mich anfangs leicht angenervt. Aber es brauchte die Kapitel nicht unbedingt, um alles zu verstehen. Sie waren im Prinzip nichts weiter als Erklärungen dafür, wenn Ort und Personen mal wieder gewechselt hatten. Ich habe kein Ahnung, ob ich euch das Buch jetzt empfehlen soll oder nicht. Es hat mich wirklich nicht restlos vom Hocker gehauen. Dazu war es einfach zu langatmig geschrieben. - Ich bewerte es auch nur mit drei von fünf möglichen Sternen. Und auch diese Bewertung ist hochgradig großzügig.
Sicher hatte es denen einen oder anderen spannenden Part in der Story, aber das Gesamtpaket war doch recht enttäuschend. Ein wirklich interessantes Thema, was restlos überrecherchiert war und somit zu viel Infos enthielt, als dass es für einen Normalo noch hätte spannend sein können. Vielmehr war mir so, als wenn ich hier ein Schulbuch über alte Schriften und die Kirchengeschichte lese...
Trotzdem hat es auf meiner Website wieder eine Leseprobe. So könnt ihr euch zumindest ein Stück weit mal selber ein Bild machen.

Wir lesen uns!

(Auszüge des Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von "TanteGhost" zu finden.)