Donnerstag, 23. März 2017

Vicotoria Hislopp - "Die Insel der Vergessenen"

ISBN: 9-783-453-35160-8

Von Victoria Hislop habe ich bis zur Lektüre dieses Buches noch nichts gehört. Und von dem Buch selber habe ich auch nur durch die Sendung "Wunderschön" vom WDR erfahren. Ziemlich zum Schluss erwähnten sie dieses Buch, als sie auf Kreta gedreht haben. Da ich selber im Sommer 2016 auf Spinalonga war, hat mich dieses Buch sofort fasziniert. Ich musste es haben und lesen. - Dumm nur, es war nicht als Ebook zu bekommen. Also habe ich es auf Amazon bestellt. Die Lieferung war mit 4 Tage quälend lang, aber so habe ich mir ein Wochenende für diese Lektüre vorgenommen. Und dieses Wochenende habe ich nicht einmal komplett gebraucht. Das Cover ist in Blau gehalten. Der Himmel ist etwas heller, die Berge heben sich etwas dunkler ab und das Meer ist stilisiert dargestellt. Außerdem sieht man Wasserpflanzen, so etwas wie Schilf, Vögel, Schmetterlinge und Blumen kunterbunt abgedruckt. - Im Nachhinein muss ich sagen, dass das jetzt mit der Story nicht wirklich etwas zu tun hat. Im Gegenteil, es hat mich zuerst etwas abgeschreckt, weil ich einen ziemlichen Kitsch erwartet habe. Aber das war es dann am Ende doch nicht.

Alexis, eine junge Archäologin macht mit ihrem Freund Urlaub auf Kreta. Sie weiß, dass die Wurzeln ihrer Familie auf dieser griechischen Insel zu finden sind. Ihre Mutter jedoch, hüllt sich in Schweigen, was ihre Vergangenheit angeht. Also will Alexis auf diesem Weg etwas über ihre Vergangenheit erfahren.
Durch eine Freundin ihrer Mutter, die noch immer in Plaka lebt, erfährt sie alles über die tragische Vergangenheit ihrer Familie. Sie erfährt vom tragischen Tod ihrer Urgroßmutter, von der Krankengeschichte ihrer Großmutter und sie erfährt, warum ihre eigene Mutter so wenig über sich und ihre Familie sprechen will.
Ihre Familie ist eine tragische Mischung aus Lepra und dem Leben auf Spinalonga, Verrat und Intrigen, Mord und grenzenloser Leidenschaft.

429 Seiten aus Papier und Pappe lassen sich ganz schön unbequem halten, wenn man lange Zeit nichts als Ebooks gelesen hat. Die sind schon wesentlich bequemer. Und wenn man dann noch nicht in der Lage ist, dem Buchrücken einen Schaden zuzufügen, wird es gleich noch einmal schwieriger.
Trotzdem habe ich mich mit Feuereifer an die Lektüre gestürzt. Ich war auf Kreta, ich hatte von Plaka gehört und Spinalonga besucht. Das hat der ganzen Story noch einmal einen besonderen Kick gegeben, weil ich ja an einigen Schauplätzen selber gewesen bin und mir so besser vorstellen konnte, wie es auf Spinalonga ausgesehen hat. Welche Wege die Protagonisten wann zurück gelegt haben und wie anfällig die Insel für den Wind war.
Aber auch so hat die Story viel Spannendes an sich gehabt. Der Leser bekommt das Gefühl, dass die Autorin selber auf der Insel gelebt hat, weil sie von der Lepra geheilt worden ist. Der erste Schreck, als die Lepra am eigenen Körper entdeckt wurde, die Angst vor der unbekannten Kolonie und dem Elend und dann die Hoffnung der Menschen, als bekannt wurde, dass man nah an einem Heilmittel dran ist. Das alles ist so super beschrieben, dass ich es vor meinem geistigen Auge komplett miterlebt habe. Als die Leute dann die Insel alle verlassen konnten, musste ich beim Lesen sogar eine Träne verdrücken. Das alles war so dermaßen emotional, dass ich gar nicht anders konnte, als ein Tränchen zu verdrücken.
Kein Wunder also, dass ich das Buch in genau zwei Anläufen durch hatte. Vorgenommen hatte ich mir ein Wochenende, aber gebraucht habe ich einen Freitag Abend und einen halben Sonnabend. - Eigentlich eine Schande, wenn man bedenkt, wie lang so ein Autor an einem Buch schreibt...
Trotzdem habe ich mich schnell an den Umstand mit dem physischen Buch gewöhnt. Die Seitenaufteilung war sehr augenfreundlich und Dauerlesen in dem Moment gar kein Problem. Die Schrift war angenehm groß und auch an den Stil der Autorin hatte ich mich sehr schnell gewöhnt. Und schon war ich einer komplett anderen Welt, habe mit den Protagonisten gelitten, gebangt und geliebt.
Nach der einen Leseunterbrechung bin ich auch ganz schnell wieder in die Handlung hinein gekommen. Die Kapitel waren zwar recht lang, wären meiner Meinung nach aber auch nicht nötig gewesen. Sie haben lediglich die Handlung etwas übersichtlicher gestaltet, weil es dann irgendwann drei Orte waren, an denen die Protagonisten verteilt waren.

Auf jeden Fall bekommt das Buch von mir eine Bewertung von 5 von 5 möglichen Punkten. Es hat sich nicht als das schmalzige Familiendrama entpuppt, was ich befürchtet hatte (vom Cover her gesehen), sondern als glaubhaft dargestellter Teil der Geschichte Kretas. Fast könnte man meinen, die Protagonisten hätte es genau so wirklich einmal gegeben und die Autorin hat sie interviewt und dann ihre Geschichte nieder geschrieben.
Für alle Interessenten gibt es wieder eine Leseprobe auf meiner Website, die in dem Fall mühsam von Hand abgetippt ist....
Ansonsten...

Wir lesen uns!

(Auszüge des Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von "TanteGhost" zu finden.)