Dienstag, 14. Februar 2017

Robert Harris - „Konklave“

ISBN: 9-783-453-27072-5

Dieses in Rot gehaltene Cover, mit dem kleinen Menschen, der leicht verloren wirkt, wie er da so durch die Gegend läuft, hat mich total angemacht. Ich bin jetzt weder getauft, noch der große Kirchgänger, aber das Thema an sich war schon spannend. Ich meine, seien wir doch mal ehrlich: Die Kirche besteht am Ende aus Menschen. Und auch die Kirche ist am Ende ein gewinnorientiertes Unternehmen. Es ist also vollkommen logisch, dass hier menschliche Schwächen, wie Hochmut und Selbstzweifel, Neugierde und Machtgelüste sowie die eigenen Vorstellungen von einer perfekten Welt mit rein spielen. Und am Ende ist so eine Konklave nichts weiter als ein Schauplatz all dieser Schwächen.

Der Papst ist tot. Sofort tritt ein altes Szenario in Kraft, das jedes mal gleich ist, wenn ein Papst verstorben ist. Die Wohnung wird versiegelt, die Geschäfte ruhen und der Papst wird einbalsamiert, beigesetzt und schon steht ein Konklave an. Bei einem Konklave wetteifern Menschen aus den verschiedensten Ländern um das höchste Amt der Kirche. Jeder Favorit ist darauf bedacht, sich im besten Licht darzustellen. Kein Skandal der Vergangenheit darf ans Licht gelangen. Doch diese Skandale gibt es nun einmal. Es handelt sich hier schließlich auch nur um Menschen.
Kurz bevor das Konklave beginnt, schlägt ein Kardinal auf, den keiner kennt. Der Papst hat ihn ernannt, ohne jemanden einzuweihen.
Der Neue scheint harmlos zu sein. Ruhig und bescheiden scheint er sich in die Gemeinschaft einzufügen. Doch es steckt mehr in diesem kleinen Phillipino.
Trotz eines Bombenanschlages und diverser Abweichungen der alten Vorschriften und Statuten kann sich am Ende ein Skandal abwenden lassen. Oder ist die Entscheidung wirklich eine Gute?

Das Buch stieg gleich mal richtig zackig ein. Der Vatikan war in Aufruhr, weil der Papst verstorben war. Sofort war der Leser drin, in diesem Sumpf von Intrigen, Geheimhaltung und Machtgelüsten.
Mitunter habe ich dieses ganzen Szenarien, was die Kirche und ihre Zeremonien angeht, als langweilig empfunden. Das hat mich aber nicht mal im Ansatz dazu animiert, das Buch zur Seite zu legen. Es gehörte eben einfach dazu Statt dessen hatte ich quasi die Möglichkeit, mal hinter die Kulissen eines Konklave zu blicken.
Ein wenig gestört haben mich die vielen Namen. Dann waren sie auch noch fremdländisch mit einem mehr als ungewohnten Klang und schon war die Verwirrung komplett. - Aber ich habe mich durchgebissen. Irgendwann, im Laufe der Wahlgänge, reduzierte sich das auf ein Hand voll Namen herunter und alles wurde durchsichtiger.
Die Kapitel waren relativ lang gehalten. Aber auch das war nicht wirklich ein Problem, da zwischendrin immer mal wieder Absätze waren, wo man genau so gut unterbrechen konnte. Nach einer Unterbrechung, egal an welcher Stelle, bin ich aber immer wieder gut in die Handlung hinein gekommen. Der Spielraum der Handlung war recht klein und somit wusste ich auch immer wieder schnell, wo ich gerade hängen geblieben war.
Alles in allem war das eine hoch emotionale Lektüre für mich. Gerade zum Ende hin konnte ich die Spannung kaum noch aushalten. Mit jedem Wahlgang wurde ich ungeduldiger. Bei jedem neuen Skandal zweifelte ich mehr und mehr an der Kirche im Gesamten. Das Ende allerdings hat mich dann in einem ungläubigen Staunen zurück gelassen.
Ihr ahnt es sicherlich. Das Buch bekommt von mir die volle Punktzahl mit 5 von 5 möglichen Sternen. Es hat mich gefesselt, ich habe etwas gelernt und ich war komplett in einer anderen Welt. Sogar die so sinnlos erscheinenden Gebete haben plötzlich einen Sinn bekommen. Ist doch perfekt!

Für alle, die sich ein Bild von dem Buch machen wollen, denen lege ich die Leseprobe auf meiner Website ans Herz. Und ansonsten noch eine nette Zeit mit der Literatur, die euch interessiert.

Wir lesen uns!