Montag, 7. November 2016

Paolo Bacigalupi - "Water - Der Kampf beginnt"

ISBN: 9-783-896-67530-9

Der Titel sagt in diesem Fall ja schon alles. Es dreht sich in diesem Buch alles irgendwie um das Kapital der Zukunft. - Wasser. Das Szenario hier, ist gar nicht so weit her geholt. Ich meine, es wird ja immer wieder gewarnt, dass wir mit dem kostbaren Nass doch bitte sparsamer umgehen sollen. Bilder von Not leidenden Kindern, zum Beispiel in Afrika, sollen und für dieses Thema sensibilisieren. - Doch leider ist das Thema in unseren Breiten wohl noch nicht akkut genug, um uns irgendwie zur Vernunft zu bringen.
In diesem Buch hier jedenfalls, ist es schon zu spät. Wasser in ausreichender Menge gibt es nur noch für besser betuchte. Der Rest der Menschen darbt in einer lebensfeindlichen und korrupten Welt dahin. Wer kann, geht in Gebiete mit besserer Versorgung, um dem Elend zu entkommen.

Marie will fliehen. Sie will über den Fluss. Ans andere Ufer, da wo Wasser noch ausreichend vorhanden ist und man als Mensch noch leben und arbeiten kann. Doch Marie fehlt das Geld dazu. Deshalb zieht sie ein kleines Wassergeschäft auf. Sie bezieht es günstig an einer Pumpe des roten Kreuzes und verkauft es teuer an die Bauarbeiter, die die neue Arkologie hoch ziehen. Doch man kommt ihr in die Quere. Das große Geld verwandelt sich in Verlust und Maria schuldet ihrer Freundin nun Geld. Um es ihr zurück zahlen zu können, geht sie mit zu dem Kunden ihrer Freundin und verkauft ihren Körper. Doch auch hier bleibt das große Geld aus. Statt dessen kommt sie an einen Schatz, von dem sie nicht mal etwas weiß.

Angel, ein Waterknife, weiß aber inzwischen von diesen mehr als wertvollen Papieren. Es sind uralte Wasserrechte der Indianer. Und jeder will sie haben.
Angel gerät zwischendrin aber in Ungnade bei seinem Boss, für die er diese Rechte beschaffen soll. Für sie würde es mehr Geld bedeuten U d für ihn ein bequemes Leben. Aber er hat die Rechte nicht. Statt dessen hat er Lucy. Die beiden verbindet eine Art Hassliebe. Und als Lucy die Tragweite dieser Rechte bewusst wird, will auch sie die Papier finden. Allerdings aus einem anderen Grund als Angel.
Es kommt zu einem gewaltigen Showdown. Und am Ende siegt doch die Bequemlichkeit und der Egoismus.

Der Autor hat hier eine beängstigend reale Welt geschaffen. Ich habe dir rauen Sandstürme und das Elend der Menschen gesehen. Ich habe die Verzweiflung gespürt, die Maria empfunden hat, als ihr Traum wieder und wieder geplatzt ist... Es war alles so real! Der Film vor meinem geistigen Auge war mindestens in 3D und hat mich komplett gefesselt. Ich musste einfach weiter lesen und konnte kaum davon lassen.
Lesepausen waren nicht willkommen. Sie ließen sich allerdings auch nicht vermeiden. Das reale Leben ruft ja dann doch ab und zu mal. - Nach diesen Lesepausen bin ich aber immer wieder gut und die Handlung hinein gekommen. Der Film lief an der Stelle weiter, wo er aufgehört hatte.
Auf den Schreibstil des Autors musste ich mich erst einlassen. Er hat einmal ausschweifend Situationen und Gefühle beschrieben. Aber so, dass es die Handlung nicht gestoppt hat. Und dann wieder ging alles Schlag auf Schlag. Er hat mich auf diese Weise bei der Stange gehalten, mir aber auch Atempausen gelassen. So etwas hatte ich in der Form noch nicht. War aber richtig gut.

Auf jeden Fall kann ich für dieses Buch mit ruhigem Gewissen eine Leseempfehlung aussprechen. Deswegen bekommt es auch 5 von 5 möglichen Sternen.
Die Kernhandlung, der Kampf um Wasser, um Leben, ist gar nicht so weit her geholt. Und es entspricht ja wohl der vollen Wahrheit, dass Geld die Welt und somit auch den Wassermarkt, reguliert. Wir selber merken das noch nicht so. Aber fragt mal die armen Menschen in Afrika. Denen fehlt genau das Wasser, was bei uns ganz selbstverständlich aus der Leitung kommt. Unser Wohlstand, zumindest was Wasser angeht, basiert auf deren Armut!
Eine Leseprobe gibt es wieder auf meiner Website.

Wir lesen uns!