Montag, 21. November 2016

Heidi Rehm - „Spiel der Hoffnung“

Da hatte ich doch wirklich mal wieder ein Buch beim Buchbanditen gewonnen. Weder Autor noch Titel waren mir ein Begriff. Doch was sich mir dann beim Lesen für eine Welt eröffnet hat, war einfach nur sensationell! Diese gelebte Oberflächlichkeit der reichen Leute in den 1920er Jahren, diese Intrigen von Hass und Missgunst getrieben und dann die bereits unterschwellige Drohung durch Hitler und seine Anhänger. Einfach nur ein Stoff, der hochgradig spannend ist. Und das, obwohl ich solcherlei Bücher wenig bis gar nicht lese. Aber vielleicht sollte ich eben diesem Genre einfach mal eine Chance geben. Schaden kann es auf keinen Fall.

Ella Withkamp will den Professor in München eigentlich nur kennen lernen. Seine Adresse fand sie im Nachlass ihrer Mutter. - Dass sie dann aber den Sohn eines münchener Unternehmers kennen und lieben lernt, war so nicht geplant.
Die Hochzeit ist dann auch ziemlich schnell und klein. Und trotzdem hat Ella in ihrer Schwägerin auch eine erbitterte Feindin gefunden. Viktoria will ihr mit aller Macht die Tour vermasseln und engagiert dafür sogar einen Privatdetektiv. Er soll Sachen über Ella heraus finden, die sie selber nicht weiß.
Jobst , ihr Ehemann , will von ihrer Vergangenheit nichts wissen. Er lebt seine Liebe zu ihr und verschwindet immer mal wieder zu Geschäftsreisen und Terminen. Er macht aus deren Inhalt und Zweck ein Geheimnis.
Es kommt , was kommen muss. Mitten im großen Glück , als Ellla und Jobst eine Reise nach Paris unternommen haben, tauchen Fotos aus Ella Ihrer Vergangenheit auf. Genau diese Fotos sorgen für einen großen Bruch in der Ehe und einen riesengroßen Krach im Hause der Schwiegereltern. Ellas jüdische Wurzeln werden plötzlich zum Thema und Ella ergreift dir Flucht . Sie versteckt sich im anonymen Berlin.
Ein Freund von Jobst, der schon immer ein Talent für den richtigen Augenblick hatte, taucht aber auf, holt sie aus ihrem Tun heraus und fährt mit ihr zu ihrem Jobst. Denn auch der hat es in seiner Familie nicht mehr ausgehalten und will sein Glück am Spieltisch versuchen. Doch Ella und Jobst müssen klären, wie es weiter gehen soll. Denn Ella hat inzwischen festgestellt , dass sie ein Kind erwartet.

Also, genau genommen war die Story ein seichten Familiendrama . Allerdings kamen da ständig irgendwelche anderen Probleme mit rein, die das Ganze richtig spannend gemacht haben. So habe ich mich die ganze Zeit gefragt , warum die Schwägerin die ganze Zeit so intregiert hat. Was hätte sie gegen Ella? Nur weil sie jetzt auch mit im Haus der Schwiegereltern wohnte? Oder weil ihre Kinder die Tante von Anfang an so toll fanden? Oder war es das offensichtliche Glück der beiden, was sie nicht hatte? - Eine sehr rätselhafte Person, die Schwägerin.
Und dann der Bruder von Jobst. Ein steifer , jedoch ziemlich unbegabter Geschäftsmann. Er hat mit Hitler und seinen Schergen zu tun. Schon damals wetterte der kleine Ösi gegen die Juden. Und Ella ihre Mutter war Jüdin. - Was aus dem ganzen Rassenwahn geworden ist, wissen wir ja heute alle.
Auch der Schwiegervater hat meiner Meinung nach Dreck am Stecken. Mit zu vielen Dingen hält er hinterm Berg. Und obwohl sich die Frauen beginnen zu emanzipieren , hält er seine Frau klein und überträgt es ihr, auch dir Schwiegertöchter in diese Position zu pressen. - Kein Wunder , dass Ella da Probleme bekommt. Sie kommt aus einem ganz anderen Leben. . .
Der Rest ist dann eine Art Stück Familiengeschichte . Seichte Unterhaltung. Nichts großartig anspruchsvolles und super für den Feierabend geeignet.
Vom Verständnis her war es leichte Kost. Viele Begriffe waren hinten, im Glossar , auch erklärt . Der halbwegs gebildetet Leser braucht das allerdings nicht. Dauerlesen war allerdings ein Muss. Mal eben so ein oder zwei Seiten haben nicht wirklich Sinn gemacht . Zwar habe ich verstanden was gerade ab ging , aber es brauchte eine Weile länger , bis der Film im Kopfkino anlief. Wenn der dann allerdings lief, sehe ich genau diese Zeit vor mir, wie sie einem in entsprechenden Filmen immer gezeigt wird.

Ein absolut gutes Buch. In das Genre jetzt etwas für euch ist, müsst ihr selber entscheiden . Für mich steht jedenfalls fest, dass ich mir noch mehr von dieser Autorin einverleiben werde. Ich glaube, ich habe da ein neues Genre für mich entdeckt. Von der Bewertung her , sind es natürlich 5 von 5 Sternen. Alles andere wäre irgendwie Quatsch. Das Buch hatte seine eigene Faszination. Die tatsächliche deutsche Geschichte war hier super mit eingebaut . Und schon wurde aus einem Familiendrama eine richtig spannende Sache.
Eine Leseprobe gibt es natürlich wieder auf meiner Website.

Wir lesen uns!