Montag, 3. Oktober 2016

Kretaurlaub #7 - Spinalonga

Die Spinalonga ist eine Halbinsel von Kreta. Heute sieht sie aus, wie eine alte Festung. Zumindest von außen. Dicke Mauern umgeben die Insel, die ziemlich faszinierend auf mich gewirkt haben, als wir darauf zu gefahren sind. Auch die landeren Gäste hingen an der Reling und wollten alle alles sehen.

Der Friedhof des Lepradorfes... hatte irgendwas komisches, als ich da stand...
Und ja, es war eine Festung. Zumindest früher mal. Und zwar hatte Kreta ja eine Zeit unter den Venezianern. Die haben hier wirklich ein Fort gebaut, um nicht von  anderen Völkern eingenommen zu werden. - Das hat ihnen aber leider nichts gebracht, denn die Osmanen haben auch hier belagert und eingenommen. Aber man muss dazu sagen, dass die Belagerung vor Spinalonga am längsten gedauert hat, bis die Osmanen erobern konnten.
Auf jeden Fall wanzten sich die Osmanen nun hier ein und waren nicht mehr weg zu bekommen. Auch dann nicht, als sie den Rest von Kreta schon längst wieder frei gegeben hatten. Auf Spinalonga blieben sie! Spinalonga lag eben günstig für den Handel zur See. Und auch verschanzen konnte man sich hier super.

Dieses Häuschen lag malerisch in einer Senke drinnen. Die Bäume haben es noch so bewohnt wirken lassen. Nur leider konnte ich die Tafel nicht lesen... griechisch
Die Griechen wollten die Osmanen aber los werden. Und so kam man auf die List, die an Lepra erkrankten aus ganz Griechenland hier zu isolieren. - Die hatten bisher in den Bergen, in kalten und kargen Höhlen, einsam vor sich hin vegetiert.
Der Reiseführer hat gesagt, dass so wohl die biologische Kriegsführung entstanden ist. Die Osmanen jedenfalls, gaben ihr Fort auf. Die Kranken konnten sich hier häuslich einrichten und sich eine Infrastruktur aufbauen.

Was ein Blick, von den Festungsmauern aufs Meer herunter...
Ob Spinalonga ein Gefängnis oder ein Dorf war, darüber streiten sich die Geister. Meiner Meinung nach, war es eine Chance. - Man hatte damals eine panische Angst vor den Kranken Menschen. Lepra war hochgradig ansteckend, aber nicht heilbar.
In der so genannten Lepra-Kollonie konnten sie ein normales Leben führen. Keiner war außen vor, oder so. Es hatten ja alle bereits diese Krankheit.
Die Menschen konnten normal leben, konnten handeln, fischen, heiraten und es sollen sogar Kinder auf der Insel geboren worden sein.
Sicher musste alles erst aufgebaut werden. Kein Anfang ist leicht. Aber sie galten als normales Dorf. Sie hatten Fischerei- und Handelsrechte. So hatten sie zumindest mal die Möglichkeit, sich etwas aufzubauen.
Im 2. Weltkrieg bekamen sie weiterhin ihre Rente. Sie bekamen Unterstützung durch Pakete vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen. Ihnen ging es besser, als der übrigen Zivilbevölkerung.

Noch nicht restaurierte Überbleibsel der Häuser der Lepra-Kolonie
Später wurde auch ein Krankenhaus auf Spinalonga gebaut. Die Menschen konnten nun besser behandelt werden.
Als dann das Heilmittel gegen die Krankheit gefunden war, wurden die Menschen nach und nach von der I selbst geholt und geheilt. Sie sollten dann zu ihren Familien zurück, in ihre Dörfer. Dort hatte man aber noch immer eine panische Angst vor ihnen. Es dauerte lang, bis die Angst aus den Köpfen der Menschen raus war.
Viele Betroffene kehrten also auf die Insel zurück. Bis im Landesinneren ein Dorf für sie gefunden war. Die Kolonisten blieben also weiter unter sich.

Sieht irgendwie gespenstisch aus... oder?! Also nachts wollte ich nicht da rum wandeln...
Der letzte Mensch, der die Insel verließ, war der Grmeindepfarrer. Er wohnte noch lang allein auf der Insel. Er wollte das so, weil ja die Totenrituale weiter abgehalten werden müssten. Aber irgendwann verließ auch er die Insel. Seit dem verfällt sie so nach und nach. Erst die touristische Erschließung brachte wieder Leben in die Felslandschaft.

Dieser Bau wurde schon restauriert... Interessant hier, dass Verfallenes auch verfallen gelassen wurde und nicht künstlich hoch gepuscht.