Mittwoch, 24. August 2016

Reiseberichte #07/2016

Oder: Stasi-Gedenkstätte in Cottbus

Die "Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus" ist ein ehemaliges Gefängnis. In Cottbus liegt und lag es in direkter Nachbarschaft zu ganz normalen Wohnblocks.
Es wurde bereits 1860 gebaut. Zur NS-Zeit war es Jugendgefängnis und Frauenzuchthaus. es wurde bombardiert, woraufhin verschiedene Reparaturen erfolgten.
Zu DDR-Zeiten wurden die Gebäude als Stasi-Gefängnis genutzt. - Gunther von Hagens saß hier, wegen versuchter Republickflucht, ein. Er wurde frei gekauft.
2002 wurde das Gefängnis geschlossen. Die Häftlinge zogen in einem Neubau um.
Am 1. Februar 2008 wurden die Gebäude dem Menschenrechtszentrum zur Nutzung überlassen. Die Gedenkstätte kann entstehen.

Kalt und abweisend begrüßt einen der Eingang. - Dem Besucher wird von Anfang an klar, dass das hier kein Ort ist, an dem man Spaß haben sollte...

Die Gedenkstätte

Wir sind auf die Idee gekommen, weil Gunter von Hagens, damals noch Günther Lieblich, hier nach seiner misslungen Republikflucht eingesessen hat. - In seiner Ausstellung macht er keinen Hehl aus diesem Teil seines Lebens. Er hat ja sogar die original Zellentür in seiner Ausstellung eingebaut. 

Ein Künstler hat begonnen, den zahlreichen Mauerschussopfern einen Namen zu geben. Ein winziger Teil der Mauer steht bereits. - Allerdings braucht es Spenden für dieses Projekt. Man gibt sich jedoch nicht mit einem Euro oder so zufrieden, nein, der edle Spender soll einen Ziegel kaufen für 20 Euro... selbstverständlich kann man auch mehr...
Keine schlechte Idee, aber die Umsetzung ist dann doch etwas.... wie soll ich sagen... teuer?!
Wir sind da hin gekommen, da wurde mir gleich bewusst, dass das Härteste für die Gefangenen wohl die Nähe zum "normalen Leben" gewesen sein muss. Um das Gefängnis herum gab es Gärten, Wohnblock und ganz normalen Alltag in der DDR. - Klar, die Gefangen waren abgeschottet, sollten so wenig wie möglich davon mitbekommen... aber so ganz zu 100% waren sie eben doch nicht weg...

Und wieder hat ein so genannter Künstler gewütet...
Eine Zelle, wie sie völlig überfüllt, wohl einmal so gewesen sein muss. Ein Raum, 28 Betten, 28 Mann Belegung. Nicht jeder hatte zum Essen Platz am Tisch, und in einer halben Stunde, nach dem Wecken, hatten alle ihre Morgentoiletter erledigt zu haben, die Stube musste sauber, aufgeräumt und besenrein sein und alle bereit zu Arbeit.
Das alles mit nur einem einzigen Waschbecken, wo es nur kaltes Wasser gab, und einer Toilette.
Der Besucher wird von einem kalten, alten Tor begrüßt, der einem gleich die abweisende Atmosphäre dieses Ortes bewusst macht. Fast wie Hohn erschien mir in diesem Moment der Sonnenschein und die Tatsache, dass ich gerade "Urlaub" genoss.
Im Gebäude ist die Ausstellung in zwei Hälften geteilt. Gleich im Erdgeschoss erwartet den Besucher eine sehr theoretische Ausstellung. Die heutzutage üblichen Schautafeln mit endlosem Text, Bildmaterial und dem einen oder anderen Exponat. - Hier geht es um verschiedene Einzelfälle. - Auf dem Gefängnishof muss es auch eine Selbstverbrennung aus Protest gegeben haben.
Im zweiten Obergeschoss sind dann ein paar Zellen "zurecht" gemacht. Beispiele aus den verschiedenen Zeitfenstern des Hauses. Wobei ich die Anfänge, also um 1900 rum, noch am humansten und besten fand.
Danach sind die Zellen nur noch voller geworden.

Es konnte vorkommen, dass die Häftlinge, nach der Arbeit, ihre Zellen in so einem chaotischen Zustand auffanden. Dann hatte während ihrer Schicht eine Zellenfilsung statt gefunden. Statt dem wohl verdienten Schlaf, nach der Nachtschicht, musste dann aufgeräumt werden, bevor man in die Betten durfte.
Wenn etwas gefunden wurde, was nicht in den Zellen sein durfte, dann wurde der Schlaf auch mal komplett entzogen, oder es gab andere Schikanen.
Mein Eindruck
Sie haben es versucht! - Aber irgendwie war ich vom Gesamten enttäuscht. Da gibt es wesentlich besser zurecht gemacht Gedenkstätten.
Die Ausstellung im Erdgeschoss ist mir für diesen Ort einfach zu modern. Trocken und nüchtern wird von Einzelschicksalen berichtet. Hier und da liegt Häftlingskleidung in einem Schaukasten. Ein Babymützchen oder selbst gebastelte Sachen der Häftlinge. - Sicher haben die Menschen da allesamt sehr gelitten, aber das kann man ergreifender und interessanter darstellen. Die heutzutage gebräuchliche nüchterne Wandzeitungsgestaltung wirkt da nicht!
Der Zellengang im zweiten Obergeschoss war da schon gruseliger. Es war anschaulich, man konnte sich ein Bild der Enge, der Zustände machen. Es wurde einem bewusst, wie auch eine "normale" Möbelierung eines Büros zu einer Bedrohung werden konnte...

Eine "normale" Zelle.
Neun Betten, ein Tisch, Sitzgelegenheiten, ein WC, ein Waschbecken.... und Ende!!!
Im Gesamten war ich enttäuscht. Der Hof wirkte so bedrücken, man bekam fast Angst, da rein zu gehen... und dann wird das so verhunzt.
Da gab es einen Weg, den sind die Häftlinge immer von den Hafthäusern zur Zwangsarbeit gelaufen, den sind wir auch mal lang. Da stand unter anderem so ein Transportauto, wie sie es damals genutzt haben. - Eine Schautafel davor... Der Raum war abgeschlossen! Der Besucher kam nicht ran!
Warum macht man sowas?

Ok, es ist eine Gedenkstätte. Sensationen sucht man hier vergeblich... aber besser geht es auf jeden Fall, wie hier!