Dienstag, 23. August 2016

Reiseberichte 06/2016

ACHTUNG!!!
Dieser Beitrag enthält Bilder und Beschreibungen der Ausstellung von Dr. Gunther von Hagens, in Guben. Wer sich davor ekelt, oder dieses abstoßend findet, sollte diesen Artikel nicht lesen!!!














Oder: Ein erneuter Besuch bei Dr. Tod

Genau, Dr. Tod, diesen Beinamen hat die Presse Herrn von Hagens gegeben. - Über diese menschlichen Fehlbildungen, die sich "Beamten" nennen, könnte ich mich immer wieder aufregen. Den Herrschaften passt etwas nicht, also wird irgendeins dieser abstrusen deutschen Gesetzte her genommen, und schon beginnt der Kampf.
Die Presse pustet mit ihrer, oft unqualifizierten Meinung noch mit rein und die Herde sucht sich eine Seite aus...

Der Beginn der Ausstellung: Anhand von Pferdeköpfen werden die verschiedenen Methoden der Plastination bzw. Haltbarmachung erklärt. Bei der einen oder anderen sind die Nachteile auf den ersten Blick zu erkennen.
Aber ich komme vom Thema ab:
Gunther von Hagens unterhält in der Grenzstadt Guben ein Plastinarium. Im Unterschied zu der Ausstellung in Berlin, liegt das Hauptaugenmerk aber auf der Plastination selber. Und das bedeutet widerrum, dass neben den Plastinaten selber, auch der Weg zum Plastinat erklärt ist.
So ist, zum Beispiel an Pferdeköpfen, erklärt, auf welche Weisen man Präparate dauerhaft haltbar machen kann. Welche Vor- und Nachteile das haben kann...
Interessant auch die Präparate aus der Zeit vor Dr. von Hagens - verfärbt, geschrumpft, lang nicht so präzise wie heute...

Das erste Ganzkörperplastinat!!! - Leider musste wieder ein Tier als Versuchkaninchen her halten. Aber zumindest war es schon tot und musste keine Qualen leiden.

Das Highlight

... für mich...
War das Präparieren, life, an echten, noch nicht fixierten Präparaten.
In meinem Fall ein Bein. An der Hüfte oben vom Körper abgetrennt. Noch nicht fixiert... - ich war neugierig darauf, aber auch etwas vorsichtig, was mich da jetzt erwartet.
Am Ende hat sich eine ziemlich interessante Unterhaltung entwickelt. Die Hauptarterie habe ich gesehen. Den Unterschied zwischen Nervenbahn und Ader gesehen und den Ischiasnerv bis hinunter zu den Wasen verfolgt. - Nicht falsch denken, jetzt. Ich habe das Bein nicht selber angefasst. Ich stand nur am Tisch, an dem ein Präparator gearbeitet hat. Habe ihm quasi bei seinem Job über die Schulter geschaut.

Ein so genannter Venenkörper, eines Herzens.
In der Ausstellung waren mehrere Plastinate in der Art zu sehen. Unter anderem auch "Der Denker", ein menschliches Ganzkörperplastinat in dieser Art. Es ist Wahnsinn, wie stark durchblutet manche Regionen unseres Körper sind.

Präparierte Tiere...

Auch Tiere findet man in Guben. - Nicht nur präparierte, sondern auch lebende. Die sind sehr geschickt in den Übergang zwischen Mensch und Tier eingebaut. Dann findet man zum Beispiel einen präparierten Löwen, der gerade sein Beutetier angreift. Eine Giraffe als Scheibenplastinat, eine, die normal da steht und eine, die gerade ein Palme hoch klettert. Nicht typisch, aber gut gemacht.
Auch die präparierte Schlange fand ich sehr sehenswert.

Diese Station wirkt auf den ersten Blick wie die Werkstatt des Dr. Frankenstein... es handelt sich hier aber um die Erklärung, wie die so genannten Sprengschädel hergestellt werden.
Ein Sprengschädel ist ein so genanntes Explosionsbild. Der Schädel wird an den Sollbruchstellen, den so genannten Fontanellen, getrennt und mit Drähten wieder in Form gebracht. Allerdings mit Abständen. So kann man sich die Nahtstellen, Schwachstellen und Anordnung der verschiedenen Schädelstellen besser vorstellen.
Ich könnte mich jetzt stundenlang darüber auslassen, wie toll das da alles ist... - Auch hier kann ich nur empfehlen: Schaut euch das an! Ihr erhaltet Einblicke, die ein Leie so nie bekommen würde!

Zwei vertikale Scheibenplastinate vom Menschen. Rechts der "Normalgewichtige" und links ein stark übergewichtiger...

Am Ende...

war da, auf einem Innenhof, ein "Großtierbecken". Hier schwamm ein Hammerhei in einer Flüssigkeit. Er wartet dort auf seine Präparation.

Der Löwe "Icke", der im Zoo eines natürlichen Todes gestorben ist. Präpariert wurde er von "seiner Frau".
Wir hatten Glück, dass wir dieses Plastinat so bestaunen konnten. Es geht nämlich nach einer Woche schon in eine andere Ausstellung.
Aber es ist schon Wahnsinn, wie viele Muskeln an so einem Raubtier dran sind...