Donnerstag, 21. Juli 2016

Robert Mawson - "Das Lazaruskind"

ISBN: 9-783-442-44678-0

Das Buch war geborgt. Es war schon älter, stammte aus einem Nichtraucherhaushalt und hat trotzdem nicht besonders angenehm gerochen. Irgendwie so, als würde es langsam vor sich hin modern. - Dabei mag ich den Geruch alter Bücher eigentlich. Aber von dem Buch irgendwie nicht...

Dafür war der Inhalt aber super. Ich habe förmlich daran fest geklebt und habe die erzwungenen Lesepausen so gar nicht gemocht. Es war richtiggehend eine Quälerei, dass ich zwischendurch noch auf Arbeit musste und ähnliche Geschichten.
Der Film in meinem Kopfkino lief nur stellenweise. Gleich am Anfang richtig detailreich und farbenfroh, zwischendrin, als es um die marode Firma des Familienvater ging, war er aus. Bei Showdown dann war er allerdings wieder so richtig detailreich und farbenfroh.

Ben muss seine Schwester und deren Freundin zur Schule begleiten. Er findet das peinlich. Also will er nur mal eben über die Straße, um sich eine Rolle Pfefferminz zu holen. Er glaubt, die Mädchen bekommen das nicht mit. Doch dann muss er den schrecklichen Unfall mit ansehen.
Frankie, seine Schwester, liegt im Koma und Ben ist psychisch so angegriffen, dass er weißes Haar bekommt.
Die Eltern, die getrennt leben, raufen sich durch diesen Schicksalsschlag wieder einigermaßen zusammen. Die Hoffnung, das Frankie wieder wach wird, hält sie hoch. - Doch man tut in der Klinik nichts weiter, als Frankie zu überwachen.
In den USA gibt es eine Klinik, die sich auf Patienten wie Frankie spezialisiert hat. Dort soll Frankie hin gebracht werden. Doch die Entscheidung fällt nicht leicht und ist auch eine finanzielle Frage. Auch Ben sein Zustand macht mehr und mehr Sorgen.
In der Klinik angekommen, beginnt man zwar mit der Behandlung, aber von Geld ist keine Rede mehr. Nur nach und nach stellt sich heraus, welche Probleme das Institut gerade hat.
Gerade als die Behandlung von Frankie auf einem guten Weg ist, wird der Chefärztin die Handhabe entzogen. Unter dem Deckmantel vom Kindeswohl bringt man Ben und Frankie in große Gefahr. Die Eltern und das Team des Institutes müssen zu drastischen Mitteln greifen.

Wie gesagt, gerade zum Schluss hin, war ich komplett gefesselt. Ich musste einfach wissen,wie die Sache für Ben und Frankie ausgeht. - Mit dem Ende habe ich allerdings nicht gerechnet.
Mich hat allerdings die Nähe zur Realität geschockt. Denn es war eine einflussreiche Bonze, die der Klinik solche Probleme bereitet hat. Der Rest war dann das sture Einhalten von Regeln im System...
Aber trotzdem bekommt dieses Buch fünf von fünf möglichen Sernen. Wegen der Spannung, der absolut stimmigen Story und der Art zu schreiben.
Medizinische Fachbegriffe tauchen zwar auf, erklären sich aber von selber. Alles ist so beschrieben, dass noch genügend Raum für die Vorstellungskraft des Lesers bleibt. Die Story schreitet zügig voran und langweilig fand ich lediglich die Eheproblme der Eltern. Ein kleines Detail, dem der Autor etwas zu viel Aufmerksamkeit gewidmet hat.
Das Schriftbild und die Seitenaufteilung waren sehr augenfreundlich. Dauerlesen war ohne Probleme möglich.

Trotzdem das Buch schon einen etwas älteren Jahrgang hat, kann ich es nur wärmstens empfehlen. Und die gewohnte Leseprobe gibt es auch wieder auf meiner Website.

Wir lesen uns!