Donnerstag, 17. Dezember 2015

Film 57 - Käthe Kruse



Seit langer langer Zeit habe ich mal wieder einen öffentlich rechtlichen Sender geschaut. Und das an einem Samstag Abend. Aber wenn man doch noch etwas über eine Person erfahren kann, an der man sich eigentlich auch ein Beispiel nehmen könnte, kann das ja nur von Vorteil sein.

Käthe Kruse, geborene Frederike Brecht, hat keinen leichten Start ins Leben. Sie lebt unter ärmsten Bedingungen, wird vom Vather verleugnet, den sie doch eigentlich über alles liebt und will mit Schauspiel die Welt erobern. Sie will sich und ihrer Mutter ein besseres Leben ermöglichen.
Frederike Brecht geht ihren Weg. Sie bekommt die Chance im Ensamble an Berlins Theater zu spielen. Sie verliebt sich in Max Kruse. Seines Zeichens Bildhauer und darstellender Künstler, der aber vom Alter her ihr Vater sein könnte. Außerdem ist er für die freie Liebe und will nicht heiraten. - Auch dann nicht, als Frederike ihr erstes Kind erwartet.
Es kommt, wie es kommen muss. Man boykottiert seine Kunst. Man akzeptiert seinen Lebensstil nicht und er verarmt. Seine Lebensgefährtin schickt er weg und hofft, dass so Gras über die Sache wächst.
Frederike geht mit ihren inzwischen zwei Kinder und ihrer Mutter nach Italien auf den Monte Veritas. Eine Kolonie, wo jeder frei von Zwängen seinen eigenen Lebensstil pflegen und leben kann. Hier erfindet sie ihre erste Puppe, die zunächst nur ein Spielzeug für ihre Tochter ist, doch auf dem Markt gleich Liebhaber findet.
Als Max dann zu ihr stößt, ist ihre Mutter verstorben und die Beziehung steckt in einer ernsten Kriese. - Doch die beiden raufen sich zusammen, gehen nach Österreich, wo die beiden auch endlich heiraten. Käthe Kruse steigt nach einer Spielzeugausstellung groß ins Geschäft ein. Sie verbessert und optimiert ihre Puppen, die reißenden Absatz finden. - Am Ende gründet sie eine Firma, die dann aber durch die Konkurrenz fast zerstört wird.
Ein Prozess wird in Gang gesetzt, der sich sieben Jahre hin zieht, der aber bis heute als Präzidenzfall für Linzensrecht gesehen werden kann.

Ein interessanter und glaubhafter Film. - Deutlich zeigt die Schauspielerin der Käthe Kruse zunächst die jugendliche Navität, dann die Rolle der Mutter und später den Spagat zwischen liebender Ehefrau und erfolgreicher Geschäftsfrau. - Damals war es ja nicht üblich, dass der Mann vom Einkommen der Frau lebte.
Auch der Wandel der Zeit wird hier sehr gut ersichtlich. Also auch aus diesem Grund ein sehr sehenswerter Film. Wobei ich persönlich schon das eine oder andere Mal den Kopf schütteln musste, ob der Demütigkeit, die Frauen damals an den Tag legen musste. Normal kann das auf keinen Fall gewesen sein!