Mittwoch, 29. April 2015

Anneliese Koch - ¨... und das Huhn hieß Ilsabein¨

ISBN: 9-78149-919-901-7

Ich habe dieses Buch beim Schreibwettbewerb im Februar gewonnen. Und um ehrlich zu sein, allein vom Cover her, hätte ich es mir wohl nie gekauft. Das Kaufer ist bunt und ein Huhn ist abgebildet. Und dieses Bild spiegelt nicht einmal im Ansatz wieder, wie ernst das Thema ist, um das es hier geht.
Da es sich bei diesem Buch um eine Autobiografie handelt, ist der Text komplett in der ich-Form geschrieben. Das macht es an nicht wenigen Stellen sehr persönlich und ergreifend.

Anneliese ist so eine Art Kriegsopfer. Ihre Mutter stirbt und hinterlässt drei Kinder. Genau in dem Moment, als der Vater schwer verletzt im Lazarett liegt. Er wird dazu überredet, die Kinder zur Adoption frei gegeben und eines Tages werden dann auch alle drei Kinder von so genannen braunen Schwestern abgeholt und in neue Familien verteilt. Anneliese trifft es dabei gar nicht gut. Denn schnell merkt man, dass die Frau das Kind eigentlich gar nicht haben wollte. Eigentlich hätte sie lieber eine Nichte von sich weiter betreut.
Anneliese muss mit viel Unbill rechnen. Sie wird geschlagen, für Vergehen bestraft, die sie nicht begangen hat und immer wenn die Mutter sie bei etwas beobachtet, bekommt sie sogar Schmerzen in den Fingern. - Ich finde, dass ist schon sehr bezeichnent dafür, wieviel Angst das Kind vor dieser Frau mit den stechenden Augen hatte.

Immer wieder habe ich gedacht, jetzt reißt sie aus und versucht ihren Bruder wieder zu finden. Aber Anneliese hat ja noch ihren Vati. Der Mann liebt sie wirklich. Er behandelt sie wie ein Kind und beschehrt ihr auch hin und wieder einen glücklichen Moment. Allerdings muss er arbeiten und ist deswegen den ganzen Tag nicht zu Hause. Die Frauen sind auf sich gestellt und Anneliese muss es ausbaten.

Obwohl das Buch 501 Seiten stark ist, hört es genau dann auf, wenn es spannend wird. Nämlich bevor der Leser erfährt, was denn nun mit der besten Freundin passiert. Warum die Zeit mit ihr so schnell vorbei ist. - Im Epilog wird es kurz angerissen, aber mich hat das am Ende nur neugierig gemacht.
Anneliese Koch, die Autorin, hat das Buch ohne die Hilfe eines Verlages auf den Markt gebracht. Sie selber hat geschrieben, korrigiert, redigiert und dann zum Druck frei gegeben. Trotzdem ist das Schriftbild angenehm. Einzig hier und da tauchen mal ein oder zwei Tippfehler auf, die mir jetzt ins Auge gefallen sind. Allerdings hatte ich die auch schon bei Büchern von namhaften Autoren, deren Werke im Verlag vorher zerpflückt werden, bevor sie auf den Markt kommen. Somit ist das hier für mich absolut verzeibahr.
Es ist schade, dass man nicht auf mehr solcher Bücher aufmerksam wird. Denn die Bücher von Selfpuplishern sind irgendwie Authentischer. Sie heben sich ab, vom Einheitsbrei der Verlage. - Und wenn ihr es versuchen wollt, kann ich euch dieses Werk nur wärmstens an Herz legen.

Eine Leseprobe gibt es natürlich wieder auf meiner Website. (Und in dem Fall musste ich sie sogar mühsam abtippen. Das hatte ich lang nicht und ist wohl ein weiter Vorteil von Ebooks, gegenüber Printausgaben.)


Wir lesen uns.