Donnerstag, 8. Mai 2014

Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

Bereits am Sonnabend sind wir ja wieder nach Hause gefahren. Dabei haben wir der Nähe halber noch einen kleinen Abstecher zum ehemaligen Grenzübergang Marienborn gemacht. Der Muggel kam auf die Idee. Ich wusste ja gar nicht, dass das jetzt so nah liegt...

An der A2 bei Helmstedt kann man direkt vom Rastplatz aus die Skyline des ehemaligen Nadelöhrs von Ost nach West sehen. Noch heute sieht man die grauen Baracken, teilweise die Dienstgebäude und die begehbaren Lichtmasten. Diese haben zu Zonenzeiten das Geschehen taghell ausgeleuchtet und keine Schatten hinterlassen. So konnte das Geschehen genauestens gesteuert und dokumentiert werden.

Leider war kein direkter Rundgang angelegt. - Was in sofern nicht unbedingt toll war, weil das Gelände wirklich sehr weitläufig war. Man kann es von verschiedenen Seiten aus betreten und wenn man dann in dem Prospekt genannten Gebäude und Stationen der Reihe nach ablaufen will, läuft man quasi im Zickzack über das Gelände.
Aber auch an Tagen, an denen es voll ist, verläuft sich alles prima und man kann durchaus auch mal menschenleere Fotos machen.
Alles wirkt doch sehr bedrückend. Besonders dann, wenn man um die Bedeutung weiß, die dieses ganze System mal hatte. Unterdrückung und unterschwellige Angst waren bei allen Passanten dieses Grenzüberganges an der Tagesordnung.

Ich lasse jetzt einfach mal die Bilder sprechen und werde hier und da etwas dazu erzählen:


Wie auf dem Bild, hier links zu sehen ist, sind wir vom Ort aus heran gefahren. Das halb geschlossene Tor wirkte leider leicht ungeöffnet, aber die Öffnungszeiten sagten da etwas anderes.
Links auf dem Bild sieht man den Bau der ehemaligen Veterinärstation. Hier wurden die ein- und ausgeführten Tiere auf Krankheiten untersucht, um Seuchen zu verhindern. 
Das neu wirkende Gebäude dahinter ist das ehemalige Dienstgebäude. Hier befindet sich eine Dauerausstellung drin, die man aber meiner Meinung nach durchaus auch interessanter hätte gestalten können. Das Gebäude links daneben beinhaltet zum einen die ehemalige Kantine, sowie einen Bankraum, wo die Einreisenden ihre Devisen eintauschen mussten.


Wenn man hier gestanden hat, war man in den Fängen der Stasi. Aber wenn man ausreisen wollte, hat man das auf sich genommen.
Hinten im Bild sind die Häuschen der Zollabfertigung. Hier erfolgte eine erste Sichtung der Papiere. Anschließend wurden sie auf diesen Förbändern ins Hauptgebäude geschickt. - Den Passanten verkaufte man das als Identitätskontrolle. Aber auf diese Weise konnten erste Selektionen vorgenommen werden, welcher Reisende auf dem Gelände mit größeren Repressalien zu rechnen hatte.


Das ist die Zollkontrolle für die PkW-Einreise. Hierzu gehörten noch eine Röntgenanlage, die heute aber nicht mehr am originalen Platz steht.
Weiterhin gab es einen Körperdurchsuchungsraum, eine Kasse für die Zölle und Strafzahlungen.
Heute kann man hier eine kleine Ausstellung über die Nachrichtentechnik finden. - Himmel war das damals alles klobig und altbacken. Und da waren die auch noch stolz drauf.... naja, war halt eine andere Zeit.


Auch das gehört zur Zollkontrolle der Pkw-Einreise. Hierbei handelt es sich um die Durchsuchungsgarage. - Wenn man hier herein gebeten wurde, hatte man wirkliche Probleme. - Die Reisenden sollten ihr Auto selber auseinander nehmen. Und zwar stellenweise Sachen abmontieren, die allenfalls ein Fachmann machen konnte. Es gab Mechaniger auf dem Gelände. Konnte der Reisende also sein Auto nicht selber demontieren, musste dieser Mechaniker beauftragt und natürlich auch bezahlt werden.
Lag das Auto dann in allen Einzelteilen in dieser Garage verteilt, musste man es selber wieder zusammen bauen, oder aber wieder den Mechaniker beauftragen.



 Wurde nun in der Garage etwas verdächtiges gefunden, wurde man in einem solchen kalten und mit Sicherheit bis unters Dach verwanztem Verhörraum mit Fragen traktiert.
Auch hier arbeitete ein Hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi, der in psychologischer Manipulation durch Fragen und kleine Gesten geschult war.

Auf dem unteren Bild sieht man einen so genannten "Körperdurchsuchungsraum". Die Leute mussten sich nackt ausziehen und mussten sich einigen sehr erniedrigenden Untersuchungen unterziehen.
Teilweise wurden die Leute in diesem Raum auch einfach abgestellt und mussten stundenlang nackt darin warten, auf die Dinge die da kommen. Getrennt von Mitreisenden und/oder Familie. - Auch das ein psychologischer Trikk der Stasi-Leute. Man schüchterte die Leute so schon von vornherein ein.






Maschinengewehre - Vor dem Dienst wurden sie an den Mann genommen und geladen.
Nach dem Dienst wurden sie getrennt von der Munition wieder in den Schrank eingeschlossen.
Man musste flüchtende Leute ja schließlich schnell erschießen können. - Getreu dem Motto: Lieber Tod, als im kapitalistischen Ausland!







Zum Abschluss noch der Bankraum.

Einreisende MUSSTEN einen bestimmten Betrag umtauschen. Das diente der DDR dazu, an Devisen zu kommen so den Bankrott des Staates DDR immer mal wieder etwas hinaus zu zögern.

Ziemlich einfach gestaltet das alles. Kein Computer oder Ähnliches. Es wurde mit Schreibmaschine oder per Hand geschrieben. Egal ob das jetzt die Buchhaltung von Geldein- und -Ausgang war oder aber eine Quittung.


Eintritt hat das nicht gekostet, dafür wurde aber im Raum der Dauerausstellung um Spenden gebeten. Ich muss aber mal ganz ehrlich sagen, dass ich nichts gegeben habe. Man hätte das Gelände durchaus auch geordneter beschreiben können. 
Die Veterinärstation war abgeschlossen, obwohl man auch die hätte zugängig machen können...
Das ganze Gelände wirkte so trostlos und mehr schlecht als Recht wieder hergerichetet.... - Sicher, es war interessant, aber gerade dieses Thema hätte man um vieles interessanter gestalten können.