Samstag, 10. Mai 2014

Christiane V. Felscherinow und Sonja Vukovic - „Christiane F. – mein zweites Leben“

ISBN: 978-3-943737-14-1

Christiane F. - Wer kennt sie nicht. Also bei uns war es zum Beispiel sodass, wir das Buch von Bahnhof Zoo im Deutschunterricht lesen mussten. Und als ich jetzt mitbekommen habe dass sie wieder, ein Buch geschrieben hat, war gleich klar für mich, dass ich wissen musste, wie es ihr nach ihrem Drogenabsturz ergangen ist.
Das Buch wurde in der Leseliste also dazwischen geschoben und war nun fällig:
Entgegen meiner bisherigen Meinung war Christiane F. Nie wirklich clean. Bis heute, zumindest bis das Buch geschrieben wurde, konsumiert sie Drogen. Zugegeben, nicht mehr in dem Maß, wie sie es in ihren „krassen“ Zeiten getan hat, aber immer noch genug, um damit ihren Körper irreparabel zu schädigen.
Christiane wurde in der Zwischenzeit auch Mutter eines Jungen. Mit dem Vater ist sie nicht mehr zusammen und das Kind wird ihr weg genommen. Vom Jugendamt natürlich. - Die Presse weidet sich noch heute an ihrem Schicksal und unterstellt ihr regelmäßig neue Totalabstürze.
Ich war beim Lesen hin und her gerissen. Sicher, zu einem großen Teil ist sie am eigenen Schicksal doch auch selber schuld! Auf der anderen Seite, ihre Kindheit war nun einmal alles andere als leicht...
Christiane F., eine eigentlich gebrochene Frau, gefangen in einem inzwischen sehr kranken Körper. Und doch hatte sie ein irgendwie interessantes Leben. Wer kann schon von sich behaupten, mit großen Autoren an einem Tisch gesessen zu haben.
Christiane geht auch immer sehr offen mit ihrer Drogensucht um. Sie verstellt sich nicht und redet auch mit wildfremden Leuten über ihre Drogenerfahrungen.
Im Buch kann man dann auch etwas über ihre Haftzeit erfahren. Man sagt immer so lapidar dahin, dass man dann doch ein günstiges Leben hat. - Hier durfte ich erfahren, dass da doch noch eine ganze Menge mehr dahinter steckt.
Zwischendrin hat es immer mal wieder Fachtexte zu allgemeinen Problemen der Drogenszene und dem Entzug. - Das war dann immer recht informativ, wirkte im Fluss der Biografie aber störend. Trotzdem es immer zwischen zwei abgeschlossenen Problemen eingebaut war. Ich persönlich hätte so etwas dann eher mal in den Anhang gepackt.
Alles in Allem ein sehr lesenswertes Buch. Den Bezug dazu findet man allerdings erst, wenn man auch die Vorgeschichte kennt. Ansonsten wäre es wohl nur ne Biografie, wie viele andere auch.
Was Christiane F. Angeht, habe ich gemischte Gefühle. Auf der einen Seite bewundere ich sie für ihren Kampfgeist und Durchhaltewillen. Auf der anderen Seite hätte dieser ganze Sumpf mit den Drogen aber auch nicht sein müssen...
Das Buch kann ich durchaus empfehlen. Und für diejenigen, die noch eine Entscheidungshilfe brauchen, habe ich wieder eine Leseprobe auf meiner Website!


Wir lesen uns!