Samstag, 4. Januar 2014

Hetty E. Verolme - „Wir Kinder von Bergen-Belsen

ISBN: 978-3-407-74202-5

Hier handelt sich es sich auch um eines der Bücher, die ich in „Ravensbrück“ gekauft habe. Von dem Buch „Erinnerungen an Anne Frank“ war ich so ergriffen, dass ich ohne zu zögern gleich „Wir Kinder von Bergen-Belsen“ aus dem Regal zog und angefangen habe.
Ich habe gelesen und gelesen und gelesen... wenn nicht zwischendurch die Arbeit und ein wenig Schlafbedürfnis gewesen wären, hätte ich das Buch wohl am Stück gelesen. Aber ich war ja quasie immer wieder gezwungen, meine Lektüre zu unterbrechen. Was ich dann aber nur sehr widerwillig getan habe. - An einem Tag hätte ich sogar um ein Haar vergessen, dass ich ja zur Spätschicht los muss. Ich sollte mir gerade bei so ergreifender Lektüre einen Wecker mit auf die Couch nehmen, um die Zeit nicht zu vergessen...

Hetty ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Doch sie und ihre Familie sind Juden, was ihr bei der Machtergreifung der Nazis zum Verhängnis werden soll.
Zunächst kann sich die Familie noch vor der Deportation schützen. Statt dessen müssen sie mit ansehen, wie Nachbarn, Freunde und Verwandte nachts abgeholt werden und auf Nimmerwiedersehen in eine ungewissen Zukunft gefahren werden.
Doch dann ist auch Hetty und ihre Familie dran. Sie werden nach Bergen-Belsen verschleppt, wo sie zunächst als Familie zusammen bleiben können. Der Vater bekommt extra Portionen zu essen, die sich die Familie vom Munde abspart, um ihn am Leben zu erhalten. Auch die Mutter arbeitet von früh bis spät hart, und Hetty wird für ihre Brüder eine Art Ersatzmutter.
Doch dann werden Männer selektiert und per Transport von ihren Familien getrennt. So auch Hetty ihr Vater. Doch auch die Mutter geht kurz darauf auf einen Transport in eine ungewisse Zukunft. Hetty, ihre Brüder und viele andere Kinder bleiben als „Waisen“ zurück. Hetty wird so etwas wie ihre Ersatzmutter und kämpft später dann mit einer ebenfalls inhaftierte Polin um das Leben der Kleinen.
Sie erleben die Befreiung, aber ausgestanden sind Trauer und Verlust dann noch lange nicht...

Wie gesagt, ich war ergriffen, ja gefesselt von diesem Buch. Ich war weggetreten beim Lesen, habe nur immer mal über die Augen wischen müssen, weil mein Blick von aufsteigenden Tränen verschleiert gewesen ist. - Auch ich selber habe mein eigenes Leben irgendwie wieder mehr schätzen gelernt. So etwas, und damit meine ich diesen ganzen kompletten Holocaust mit allen seinen Auswüchsen, darf einfach NIE wieder passieren!

Man merkt, dass Hetty selber durchlebt hat, was sie da schreibt. Kein noch so guter Autor der Welt kann sich so etwas mit so viel Eindringlichkeit aus den Fingern saugen.

Ich will das Buch jetzt nicht großartig zerreden. Fakt ist mal, dass sich diese Lektüre mehr als lohnt. - Zum Schluss hatte ich sogar eine Begegnung mit einem bekannten Namen. Denn auch Miep taucht hier auf. Miep Gieß hat seinerzeit Familie Frank in ihrem Versteck versorgt und wollte sie so vor der Deportation retten.

Eine Leseprobe gibt es wie immer auf meiner Website!


Wir lesen uns!