Samstag, 25. Januar 2014

Ellen Thiemann - „Der Feind an meiner Seite“

ISBN: 978-3-7766-2453-3

Das Buch habe haben wollen, als ich von der selben Autorin „Stell dich mit den Schergen gut“ gelesen hatte. Im Anhang wurde erwähnt, das es auch dieses Buch gibt.
Ich dachte eigentlich, dass es sich hier um eine Art Fortsetzung handelt, da wurde ich aber leicht enttäuscht. Trotzdem, schlecht war das Buch deswegen nicht.

Ellen Thiemann saß im berühmt berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck ein. Sie hatte versucht, aus der DDR zu fliehen, wurde aber erwischt. - Wie sich später heraus stellte, war ihr Mann daran nicht wirklich unschuldig. Er war ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Die Wohnung des Ehepaares war bis unter die Decke verwanzt und so konnte Frau Thiemann ihrem Schicksal gar nicht entfliehen.
Nach ihrer Entlassung aus der Haft, kommt sie nach Hause, nichts ahnend, dass sich ihr Leben in der Zeit so dramatisch verändert hat. Ihr Mann ist nicht mehr wirklich ihr Mann und auch ihr Sohn bedarf ihrer Hilfe.
Ellen Thiemann wird geschieden und kann nun „legal“ in die BRD ausreisen. Sie nimmt ihren Sohn mit und muss in Köln vollkommen neu anfangen. Doch wenn sie glaubt, dass sie hier vor den Stasiespitzeln sicher ist, hat sie sich getäuscht. Auf einer Buchmesse zum Beispiel bemerkt sie mehrere Männer, die ganz offensichtlich sie beobachten. Schon während der Haft hat man ihr mit einem Mord gedroht.
Ellen Thiemann kann die Stasiakten sichten, als die Wende das geteilte Land wieder vereint hat. Es schlägt dem Fass fast den Boden aus, wenn man liest, was der Mann nicht alles getan hat, um sich bei der Stasi lieb Kind zu machen.
Die Karriere des Mannes beginnt etwa in der Zeit der geplanten Republikflucht. Der Mann kauft sich quasie eine Art Verschonung durch seine Spitzelei. Er verrät die Flucht, vereitelt die vorzeitige Entlassung der Ehefrau und spioniert den Freundes- und Bekanntenkreis aus.
Er geht „befohlene“ Liebschaften ein, weil die Frauen ausgehorcht werden sollen und macht auch vor seinen Kollegen nicht Halt. Er gibt Verlagsinterna weiter und kann durch seine Spitzeleien sogar Einfluss auf das Fußballgeschehen der DDR nehmen.

Also das Buch hier, fand ich jetzt nicht ganz so fesselnd, wie das, in dem sie von ihrer Haftzeit berichtet.
Stellenweise sind die Wortlaute der Spitzelberichte genau wieder gegeben. Das an sich ist ja so schlimm erst einmal nicht, aber das ist dann alles so klein gedruckt gewesen. An den Stellen habe ich mir beim Lesen immer etwas die Augen verrengt.


Alles in Allem aber ein ganz gutes Buch. War sein Geld auf jeden Fall wert.

Eine Leseprobe befindet sich auf meiner WEBSITE!

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