Donnerstag, 7. November 2013

Gedenkstätte KZ Sachsenhausen

Am Sonnabend hatten wir dann also den Besuch in der Gedenkstätte "KZ Sachsenhausen" geplant. Es liegt in der Ortslage von Oranienburg und ist durch die Mauer wirklich sehr gut sichtbar gemacht. Ansonsten wäre das wohl auch nur eine Ansammlung von Häusern in einem typischen Baustiel.
Der Eintritt war auch hier frei. Statt dessen wurde beim Rundgang an verschiedenen Stellen immer mal wieder zu Spenden aufgerufen.


Gleich hinter der Mauer wirkte dieser nackte "Hof" auf mich. Der Wachturm gehört(e) schon zum Lager. Ich denke allerdings, dass der nicht mehr ganz so original ist, wie er einstmals mal war. Denn auch in Sachsenhausen war hier eine russische Nutzung, nach dem Krieg. 
Die Bedingungen nach dem Krieg, waren aber kaum besser als im Krieg.

Die Lagerstraße. Hier musste ich leider etwas sehr befremdliches erleben. Und zwar karrte direkt nach uns ein Bus eine Gruppe Jugendliche heran. Sie sprachen kein Deutsch und kauften sich alle so einen Guide, der einen durch das Lager führte. - Jedenfalls lief da so ein Nachzügler lang lang und rotzte erst einmal so richtig mit Schmackes auf den Boden.
Nicht nur, dass dieses Gehabe mal komplett ekelhaft ist, zeigt es mir auch, wie wenig die heutige Jugend doch über diese Zeit weiß und wie wenig sie das Schicksal berührt.
Es sei denn, sie bekommen heraus, dass Oma und/oder Opa interniert waren. Dann schreien sie am lautesten, weil sie eine Entschädigung haben wollen....

Nachdem wir durch das Tor gegangen waren, lag das Lager vor uns. Die große Lagerstraße und ansonsten das für die Jahreszeit typische Wetter und eine herbstliche, ja andächtig wirkende Stille....
Rechts hinten ist das Mahnmal, welches sich auch in diesem Lager befindet. Es ist ein Turm, dreieckig im Grundriss, am oberen Ende die roten Winkel angebracht und davor eine Statue welche leidende Häftlinge darstellt.

Wir sind dann erst einmal nach links gelaufen. Hier war ein Stück Zaun belassen worden. Strom war natürlich nicht mehr drauf, aber man konnte gut diese porzellanenen Leiter sehen. Fast konnte ich knistern hören.... (der Strom, ihr versteht, wie man es mitunter bei elektrischen Weidezäunen hat)

Hier sind wir fast wieder an der Mauer, die linker Hand ja auch wieder kam. Zu sehen ist hier rechts eine Baracke, die zwar erhalten wurde, aber nicht mehr original eingerichtet ist. Diese und die dahinter liegende Baracke waren das Krankenrevier. Im Inneren wurde die Aufteilung etwas sichtbar gemacht und man kann etwas zu Einzelschicksalen lesen. Insbesondere der Häftlinge, die hier als Arzt oder Pfleger eingesetzt waren...
Links das Gebäude ist die Pathologie. Der kleine seitliche Anbau ist die Rampe, welche in den Leichenkeller führt.
Es musste wohl sein, dass die Leichen hier obduziert werden sollten, bevor sie zur Einäscherung gegeben werden konnten. - Anfangs geschah dies noch im städtischen Krematorium von Oranienburg, aber als es dann zu viele wurden, wurde "Station Z" gebaut. Darüber später mehr.

Diese Seziertische sind kein Original, sondern Nachbauten. Aber so haben sie ausgesehen und so haben sie auch gestanden.
Trotzdem ist mir leicht komisch geworden, als mir bewusst wurde, was hier geschehen ist.
Auf einer Tafel im Vorraum war zu lesen, dass die zum Schluss gar nicht mehr die Zeit hatten, eine wirkliche Obduktion durchzuführen. Sie machten nur noch die vorgeschriebenen Schnitte, um sie dann wieder zuzunähen. An Todesursachen wurde eine Standartliste erstelle, die dann einfach in den Totenschein eingetragen wurde.

Der Leichenkeller - ich muss wohl nicht viel dazu sagen, denke ich....
Einzig, der Geruch ist ein anderer als ich ihn von alten Leichkellern, zum Beispiel in Buchenwald, kenne. In Buchenwald konnte man noch immer den süßlichen Leichengeruch wahrnehmen. Hier allerdings roch es lediglich nach alten Gemäuern.

Eine Gift- oder Medizinflasche, wie sie bei der Untersuchung der Krankenbaracken sichergestellt werden konnte. Irgendwie hat die mich beeindruckt, keine Ahnung warum. Aber deswegen das Foto.

Auch diese Anlage hat mir Schauer über den Rücken gejagt. Und das lag nicht an dem Wetter! - Es handelt sich hierbei um den Erschießungsgraben. Rechts, unter dem Dach war der Kugelfang und ein Galgen.... Die Tür, welche links oben zu sehen ist, führt in den Leichenkeller. Hier habe ich aber nicht versucht rein zu kommen. Ich habe mich ja nicht mal getraut, in den Graben hinein zu laufen. Obwohl man das gekonnt hätte....
Das weiße Gebilde im Hintergrund schützt die Fundamente von "Station Z"

Die "Station Z" ist nichts anderes als das Gebäude, in dem die Gaskammer, das Krematorium und eine Genickschussanlage untergebracht waren. Die Polizei hat das Gebäude zu DDR-Zeiten gesprengt und man sieht nur noch die Fundament. Die sind mit einem weißen Planendach geschützt.
Ja, das Gebäude haben die Erbauer "Station Z" genannt. Es war ja genau genommen auch die letzte Station eines Häftlings. Wenn er nicht erschossen wurde, so wurde sein Leichnam dann doch in einen der Öfen geschoben.
Rings herum wurde bei Ausgrabungen jede Menge Überreste gefunden. Die Flächen wurden als Massengräber deklariert und sichtbar gemacht. Hier und da lagen Steine und Blumen.

Wie gesagt, nach dem Krieg war das hier das Sonderlager. Von den "Russen" betrieben. Die Baracken waren jetzt nicht mehr ganz so groß und überfüllt und aus Stein, deswegen waren die Bedinungen aber in keiner Weise besser. - Die Häftlinge mussten auf harten Holzbritschen schlafen, hatten keine Heizung im Winter und mussten tagsüber hart arbeiten.

In den Steinen haben sich einige verewigt. Leider auch irgendwelche dummen Leute von heute, die irgendwelchen Schrott dazu geritzt haben.....

Dann sind wir in einen gesondert eingezäunten Bereich gekommen. Hier waren zwei Baracken erhalten, wie sie im Krieg waren. - So zum Beispiel sah das Bad aus. Brunnenwaschbecken aus denen nur kaltes Wasser kam....

Die Toiletten waren in einem gesonderten Raum untergebracht. - Dort war auch zu lesen, dass die "Sitzbecken" gar nicht von jedem benutzt werden durften. Die waren wohl nur den Kranken und Alten vorbehalten. Ansonsten MUSSTE man an die Stehbecken.
Natürlich wurden in Wasch- und Toilettenraum auch Misshandlungen durch Wärter verübt. Im Prinzip immer, wenn die Wärter mal irgendwie Dampf ablassen mussten. Dann war halt derjenige dran, der durch Zufall gerade in der Nähe war....

Ein Schlafraum in so einer Baracke, so eng, wie es wirklich gewesen ist. Oftmals mussten sich zwei Häftlinge so ein Bett teilen....

Auch in Sachsenhausen gab es einen Zellenbau. Ursprünglich war das ein T-förmiges Gebäude. Heute steht davon aber nur noch ein Flügel. Der Rest ist nur noch an den Fundamenten sichtbar.

Die einzelnen Zellen wirken, als wäre nur mal kurz durchgefegt worden, nach der letzte Häftling hier raus gekommen ist.
Diese Zelle ist noch vergleichsweise komfortabel. Es gab auch eine, wo die Fenster verdunkelt waren und auf dem Boden einfach nur ein Strohsack lag...

Hier sind die Fundamente vom restlichen Gebäude noch zu sehen. Hier sieht man auch mal, wie klein doch so eine Zelle gewesen ist.
Die drei Balken waren eine Foltermethode der Wärter. Die Häftlinge wurden hier mit nach hinten verdrehten Armen aufgehagen. - Das müssen wirklich höllische Schmerzen gewesen sein.
Die Balken wirkten auf mich auch so schon bedrohlich.

Erst als wir das Lager wieder verlassen haben, viel mir dieser berühmt berüchtigte Spruch am Eingangstor auf...




Diese Bücher musste ich mir einfach mitnehmen. Sie warten nun darauf, dass ich sie lese....


Ich bin einmal mehr schwer beeindruckt und erstaunt, dass es wirklich Menschen gegeben hat, die dieses Merthyrium überlebt haben.