Samstag, 31. August 2013

Wieder eine Bildungsreise in die DDR-Geschichte...

... die heutige war nur schon was länger geplant. Und zwar hatten wir heute eine Führung im berüchtigten Frauenknast Hoheneck in Stollberg.

Gleich vorweg, auch hier möchte man nicht, dass Fotos vom Inneren des Gebäudes ins Internet gestellt werden. Ich werde mich deshalb auf ein oder zwei Außenansichten beschränken müssen. Aber auch die tun ihre Wirkung. Mir jedenfalls ging es so, dass schon der Anblick dieser Gemäuer mir eine Gänsehaut über den gesamten Körper gejagt hat.

Wie der Name "Frauengefängnis" schon sagt, waren hier nur Frauen inhaftiert. Zum größten Teil Frauen, die bei Republikfluchten oder ähnlichen der Stasi unliebsamen Taten erwischt wurden. 
Die Frauen wurden hier inhaftiert, die Männer zum Beispiel in Bautzen II und die Kinder wurden entweder Zwangsadoptiert, kamen ins Heim oder bei Familienangehörigen unter...

In diesem Frauengefängnis herrschten seinerzeit wirklich noch Zucht und Ordnung. Es gab einen geregelten Tagesablauf mit Aufstehen, Zählungen, Arbeit, ein wenig Freizeit und dann wieder Nachtruhe. Begleitet wurde das oftmals von Sprechverbot, Kontaktverbot und und und. Zuwiderhandlungen wurden mit Einzel- oder Dunkelhaft bestraft. Auch eine so genannte Wasserzelle gab es da. Und das war ein Höchstmaß an Folter. Die Frauen standen hier oft tagelang knöchel- oder wadenhoch in eiskaltem Wasser, ohne eine Möglichkeit, sich mal zu setzen, zu schlafen oder sich anderweitig auszuruhen.
In so eine Dunkelzelle habe ich mich mal für nicht ganze eine Minute einschließen lassen. Es war wirklich stockfinster darin. Ich habe meine Hand vor Augen nicht gesehen und schon in diesem kurzen Moment habe ich begonnen, auf jedes Geräusch von Außen zu lauschen. - Wie mag das erst gewesen sein, wenn man da ein oder noch mehr Tage dauerhaft drin eingesperrt war.

Außerdem hat der Führe auch die eine oder andere Anekdote erzählt, die er von Zeitzeugen erzählt bekommen hat. Hier liefen einem dann wirklich die Schauer des Entsetzens über den ganzen Körper. 
Da war die Tatsache, dass es auch Fälle gegeben haben muss, dass die Frauen beim Freigang wie an einer Longe laufen mussten, noch harmlos.
Da gab es auch eine Mutter, die ihre Tochter im Knast besuchen wollte, die Tochter nur kurz an ihr vorbei geführt wurde und schon war der Besuch vorbei. Kurze Zeit später rief die Tochter aus dem Westen an... sie wurde frei gekauft.
Solche und andere Geschichten haben wir da also heute zu hören bekommen.

Hier mal drei Bilder:

Jetzt sagt doch mal ehrlich, allein der Anblick dieser Gemäuer flößt einem doch einen gewissen Respekt ein... oder? - Und wenn man dann noch um das weiß, was mal drin gewesen ist und was bekannt ist, was hinter diesen Mauern geschehen ist.... omg


Das hier leicht rechts im Bild ersichtliche Tor ist schon der zweite Teil der Schleuse. Weiter vorne war noch einmal so eines. Das war damals schon so, wie man es heute auch in den Knastfilmen sieht. Das eine Tor ging erst auf, wenn das andere geschlossen war und andersherum.


Das soll mal stellvertretend für die Sicherungsmaßnahmen hier abgebildet werden. Man hatte eine Mauer, vier Meter hoch, mit zunächst Glassplittern obendrauf. Später kamen so Meldedrähte mit Alarmanlage dazu.
Ein Versorgungstor mit Wachturm und Stacheldraht...


Die Insassen konnten ja auch so keinen Schritt ohne Aufsicht laufen. Teilweise waren mehr Wärter, Erzieher oder Aufseher als Insassen da...

Ein wirklich sehr interessanter Tag, der einem mal wieder gezeigt hat, wohin Fanatismus einen Menschen bringen kann. Und wie geschickt es die DDR doch angestellt hat, die Leute zu unterdrücken, zu verängstigen und in Schach zu halten.