Mittwoch, 28. September 2011

Heribert Schwan - "Die Frau an seiner Seite"

Hannelore Kohl – die immer lächelnde und stark engagierte Frau an der Seite des Wiedervereinigungskanzlers, was hab ich sie bewundert, was hab ich sie beneidet. Das Leben als Politikerfrau musste einfach nur der blanke Zucker sein. Doch, am Ende war es nichts weiter als der pure Horror. Sie war stark, ja das war sie, aber sie war auch verdammt einsam. Und trotz gesundheitlicher Probleme hat sie gekämpft wie eine Löwin. Stets zuverlässig an der Seite ihres Mannes und verbissen zum Schutz ihrer Söhne vor der Öffentlichkeit.
Laut dem Buch war lediglich das Stück Kindheit vor dem Krieg für Hannelore ein unbeschwertes und glückliches Leben. Ihr Vater war beruflich erfolgreich und materiell mangelte es ihr an nichts. Nur die Zuneigung ihrer Mutter ging ihr ab. Diese war emotional schon immer etwas distanziert.
Dann der Krieg, der Vater wird „braun“ und zum Ende des Krieges der Absturz und der Neubeginn bei null und nichts. - Hannelore hatte ihr eigenes Päckchen zu tragen, hätte eigentlich der Seelsorge bedurft, bekam sie damals aber nicht, wie alle.
Später lernte sie Helmut kennen. Zunächst ein guter Freund, später ihr Mann und dann nur noch Politiker. Sie war stark, aber allein mit Söhnen, Haushalt und Verantwortung. Wieder machte sie alle Sorgen und Nöte mit sich allein aus, wieder half ihr niemand.
Dann die massiver werdenden gesundheitlichen Probleme mit all den Unannehmlichkeiten. Zum Schluss so massiv, dass ihr Dasein kaum noch als Leben bezeichnet werden konnte. - Jetzt hätte sie Hilfe bekommen können, lehnte sie aber ab, weil sie längst ihre eigene Meinung vertrat und für diese nun kämpfte wie eine Löwin.

Heribert Schwan hat hier wirklich ohne Pomp und Schmuck das Leben und den Alltag der Hannelore Kohl beschrieben. So wie er war und mit all den Problemen und wenigen Glücksmomenten, die sie hatte.
Wenig beneidenswert war sie. Und stark, das war sie auf jeden Fall. Aber tauschen hätte ich nicht mit ihr wollen.
Trotzdem war das Buch passend, aufrührend und aufklärend. Ich konnte mir meine eigene Meinung bilden, was die Frau und ihre „Krankheit“ angeht, kann sie jetzt aber auch wieder in Frieden Ruhen lassen.

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