Wie ich schon mal geschrieben habe, war heute die Urnenbeisetzung von dem Jungen, der da ertrunken ist.
Die Pfarrin hat mit dem Vater des Verstorbenen geredet und der hat wohl letztendlich sein Einverständis gegeben, dass die Junge, sprich seine Freunde, auch dabei sein dürfen. Und sie sind wirklich zahlreich erschienen. Jeder von ihnen hat eine weiße Rose am Grab nieder gelegt und alles ging ordentlich und gesittet zu.
Ich stand allein hinter der Gardine und habe das beobachtet. Und mir sind auch die Tränen geflossen. - Ich muss zugeben, ich habe nicht um den Jungen geweint.
Vielmehr tauchten Fragen in mir auf wie:
Würden an meinem Grab auch gleichaltrige Leute stehen?
Würden da überhaupt welche stehen?
Wären die Gefühle echt oder geheuchelt?
und lauter son Scheis.
Am Nachmittag dann habe ich versucht mich Lesen auf andere Gedanken zu bringen. Aber so wirklich ist mir das nicht gelungen. Denn als meine Mutter dann nach Hause kam, umarmte mein Bruder sie und sie wurde total warmherzig und mitfühlend. Sie meinte, sie wäre gedanklich nicht bei der Trauerfeier ihrer Tante gewesen, weil sie ständig an meinen Bruder und seinen schweren Gang denken musste.
Und dann kamen mir ältere Worte von ihr in den Kopf. Als sie sagte, sie wüsste nicht, ob sie überhaupt ein Grab machen würde, wenn sie nochmal eins ihrer Kinder verlieren würde.
Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll. Ich meine, ich schäme mich vor ihr, weil ich ne Kur beantragt habe und sie tut verbal auch alles dafür, dass ich mich schlecht deswegen fühle und meinen Bruder verhätschelt sie so.
Wo war sie denn, als in der sechsten Klasse meine Klassenkameradin und Spielgefährtin (wie man damals so sagte) ermordet wurde? Eine fremde Frau hat mich damals auf der Trauerfeier und Beerdigung in den Arm genommen, weil ich heulend zusammengebrochen bin. Sie war auf Arbeit. Die Kinder waren ja behindert und bedurften ihrer Hilfe mehr.
Wo war sie denn, als eine weiter Klassenkameradin von mir, einen Tag vor ihrem 18. Geburtstag tödlich mit dem Auto verunglückte und nicht mal selber gefahren ist, sondern ein argloser Beifahrer war? Hat sie mich damals überhaupt ernst genommen, weil ich meine Fahrschule deswegen abbrechen wollte?
Auf jeden Fall kann ich mich nicht erinnern, dass sie mich jemals in den Arm genommen hätte wegen solcher Dinge.
Statt dessen erzählt sie rum, dass es mir in Wirklichkeit gar nicht so egal wäre, dass mein Erzeuger den Kontakt mit mir so meidet. - Verdammt noch mal JA, es tut weh! Verdammt noch mal JA, es ist mir nicht wirklich so einerlei... Aber wie zum Henker soll ich denn reagieren, wenn sie auch nichts weiter als Verachtung und Beleidigungen für mich übrig hat...
Schon allein, was ich zum Geburtstag von ihr bekommen soll. Einen Gutschein für Augenbrauen zupfen und Färben von Augenbrauen und Wimpern. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht möchte, dass ich nicht so bin, das nicht will. - Es juckt sie nicht.
Was soll ich mit dem Ding denn machen, wenn ich es dann wirklich bekomme? Es ist mein Gesicht, darüber kann ich ja wohl noch bestimmen, aber wenn ich den Schein ignoriere ist mir meine Mutter wieder böse.
Naja, irgendjemand hat mir im Komi mal die Frage gestellt, was an meinem schrecklichen Geburtstag denn so schrecklich ist. - Das zum Beispiel. - Ok, und die Tatsache, dass ich von meinem Erzeuger nicht mal mehr ne Karte oder nen Anruf bekomme. (ja, verdammt, es tut weh)
Es mag jetzt krass klingen, aber ich habe heute für mich beschlossen, dass an meinem Grab niemand Trauer heucheln muss, die er nicht empfindet.
Ich hatte ja schon länger überlegt, ob ich meinen Körper nicht an Herrn von Hagens "verkaufen" soll. Ihr wisst schon, der Plastinator. - Mal im Ernst, ob ich nun verrotte und so einen Haufen Geld koste, oder da stehe und dem einen oder anderen Studenten ein Anschauungsobjekt bin.
Auf diese Weise jedenfalls muss keiner mir etwas bezahlen, was er nicht will. Niemand muss an meinem Grab so tun, als würde ich ein Loch in irgendwelche Mitten reisen. Zumal ich mir langsam sicher bin, dass da sowieso niemand stehen würde.
Und sollte es wirklich Menschen geben, denen ich was wert bin... die tragen mich im Herzen. Die brauchen kein Grab für ihre Trauer. - Denke ich mal.
Die Pfarrin hat mit dem Vater des Verstorbenen geredet und der hat wohl letztendlich sein Einverständis gegeben, dass die Junge, sprich seine Freunde, auch dabei sein dürfen. Und sie sind wirklich zahlreich erschienen. Jeder von ihnen hat eine weiße Rose am Grab nieder gelegt und alles ging ordentlich und gesittet zu.
Ich stand allein hinter der Gardine und habe das beobachtet. Und mir sind auch die Tränen geflossen. - Ich muss zugeben, ich habe nicht um den Jungen geweint.
Vielmehr tauchten Fragen in mir auf wie:
Würden an meinem Grab auch gleichaltrige Leute stehen?
Würden da überhaupt welche stehen?
Wären die Gefühle echt oder geheuchelt?
und lauter son Scheis.
Am Nachmittag dann habe ich versucht mich Lesen auf andere Gedanken zu bringen. Aber so wirklich ist mir das nicht gelungen. Denn als meine Mutter dann nach Hause kam, umarmte mein Bruder sie und sie wurde total warmherzig und mitfühlend. Sie meinte, sie wäre gedanklich nicht bei der Trauerfeier ihrer Tante gewesen, weil sie ständig an meinen Bruder und seinen schweren Gang denken musste.
Und dann kamen mir ältere Worte von ihr in den Kopf. Als sie sagte, sie wüsste nicht, ob sie überhaupt ein Grab machen würde, wenn sie nochmal eins ihrer Kinder verlieren würde.
Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll. Ich meine, ich schäme mich vor ihr, weil ich ne Kur beantragt habe und sie tut verbal auch alles dafür, dass ich mich schlecht deswegen fühle und meinen Bruder verhätschelt sie so.
Wo war sie denn, als in der sechsten Klasse meine Klassenkameradin und Spielgefährtin (wie man damals so sagte) ermordet wurde? Eine fremde Frau hat mich damals auf der Trauerfeier und Beerdigung in den Arm genommen, weil ich heulend zusammengebrochen bin. Sie war auf Arbeit. Die Kinder waren ja behindert und bedurften ihrer Hilfe mehr.
Wo war sie denn, als eine weiter Klassenkameradin von mir, einen Tag vor ihrem 18. Geburtstag tödlich mit dem Auto verunglückte und nicht mal selber gefahren ist, sondern ein argloser Beifahrer war? Hat sie mich damals überhaupt ernst genommen, weil ich meine Fahrschule deswegen abbrechen wollte?
Auf jeden Fall kann ich mich nicht erinnern, dass sie mich jemals in den Arm genommen hätte wegen solcher Dinge.
Statt dessen erzählt sie rum, dass es mir in Wirklichkeit gar nicht so egal wäre, dass mein Erzeuger den Kontakt mit mir so meidet. - Verdammt noch mal JA, es tut weh! Verdammt noch mal JA, es ist mir nicht wirklich so einerlei... Aber wie zum Henker soll ich denn reagieren, wenn sie auch nichts weiter als Verachtung und Beleidigungen für mich übrig hat...
Schon allein, was ich zum Geburtstag von ihr bekommen soll. Einen Gutschein für Augenbrauen zupfen und Färben von Augenbrauen und Wimpern. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht möchte, dass ich nicht so bin, das nicht will. - Es juckt sie nicht.
Was soll ich mit dem Ding denn machen, wenn ich es dann wirklich bekomme? Es ist mein Gesicht, darüber kann ich ja wohl noch bestimmen, aber wenn ich den Schein ignoriere ist mir meine Mutter wieder böse.
Naja, irgendjemand hat mir im Komi mal die Frage gestellt, was an meinem schrecklichen Geburtstag denn so schrecklich ist. - Das zum Beispiel. - Ok, und die Tatsache, dass ich von meinem Erzeuger nicht mal mehr ne Karte oder nen Anruf bekomme. (ja, verdammt, es tut weh)
Es mag jetzt krass klingen, aber ich habe heute für mich beschlossen, dass an meinem Grab niemand Trauer heucheln muss, die er nicht empfindet.
Ich hatte ja schon länger überlegt, ob ich meinen Körper nicht an Herrn von Hagens "verkaufen" soll. Ihr wisst schon, der Plastinator. - Mal im Ernst, ob ich nun verrotte und so einen Haufen Geld koste, oder da stehe und dem einen oder anderen Studenten ein Anschauungsobjekt bin.
Auf diese Weise jedenfalls muss keiner mir etwas bezahlen, was er nicht will. Niemand muss an meinem Grab so tun, als würde ich ein Loch in irgendwelche Mitten reisen. Zumal ich mir langsam sicher bin, dass da sowieso niemand stehen würde.
Und sollte es wirklich Menschen geben, denen ich was wert bin... die tragen mich im Herzen. Die brauchen kein Grab für ihre Trauer. - Denke ich mal.




































