Samstag, 29. August 2009

Mir gehts seelisch scheise...

... und keiner merkts.

Wie ich schon mal geschrieben habe, war heute die Urnenbeisetzung von dem Jungen, der da ertrunken ist.
Die Pfarrin hat mit dem Vater des Verstorbenen geredet und der hat wohl letztendlich sein Einverständis gegeben, dass die Junge, sprich seine Freunde, auch dabei sein dürfen. Und sie sind wirklich zahlreich erschienen. Jeder von ihnen hat eine weiße Rose am Grab nieder gelegt und alles ging ordentlich und gesittet zu.
Ich stand allein hinter der Gardine und habe das beobachtet. Und mir sind auch die Tränen geflossen. - Ich muss zugeben, ich habe nicht um den Jungen geweint.

Vielmehr tauchten Fragen in mir auf wie:
Würden an meinem Grab auch gleichaltrige Leute stehen?
Würden da überhaupt welche stehen?
Wären die Gefühle echt oder geheuchelt?
und lauter son Scheis.

Am Nachmittag dann habe ich versucht mich Lesen auf andere Gedanken zu bringen. Aber so wirklich ist mir das nicht gelungen. Denn als meine Mutter dann nach Hause kam, umarmte mein Bruder sie und sie wurde total warmherzig und mitfühlend. Sie meinte, sie wäre gedanklich nicht bei der Trauerfeier ihrer Tante gewesen, weil sie ständig an meinen Bruder und seinen schweren Gang denken musste.
Und dann kamen mir ältere Worte von ihr in den Kopf. Als sie sagte, sie wüsste nicht, ob sie überhaupt ein Grab machen würde, wenn sie nochmal eins ihrer Kinder verlieren würde.

Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll. Ich meine, ich schäme mich vor ihr, weil ich ne Kur beantragt habe und sie tut verbal auch alles dafür, dass ich mich schlecht deswegen fühle und meinen Bruder verhätschelt sie so.
Wo war sie denn, als in der sechsten Klasse meine Klassenkameradin und Spielgefährtin (wie man damals so sagte) ermordet wurde? Eine fremde Frau hat mich damals auf der Trauerfeier und Beerdigung in den Arm genommen, weil ich heulend zusammengebrochen bin. Sie war auf Arbeit. Die Kinder waren ja behindert und bedurften ihrer Hilfe mehr.
Wo war sie denn, als eine weiter Klassenkameradin von mir, einen Tag vor ihrem 18. Geburtstag tödlich mit dem Auto verunglückte und nicht mal selber gefahren ist, sondern ein argloser Beifahrer war? Hat sie mich damals überhaupt ernst genommen, weil ich meine Fahrschule deswegen abbrechen wollte?
Auf jeden Fall kann ich mich nicht erinnern, dass sie mich jemals in den Arm genommen hätte wegen solcher Dinge.

Statt dessen erzählt sie rum, dass es mir in Wirklichkeit gar nicht so egal wäre, dass mein Erzeuger den Kontakt mit mir so meidet. - Verdammt noch mal JA, es tut weh! Verdammt noch mal JA, es ist mir nicht wirklich so einerlei... Aber wie zum Henker soll ich denn reagieren, wenn sie auch nichts weiter als Verachtung und Beleidigungen für mich übrig hat...

Schon allein, was ich zum Geburtstag von ihr bekommen soll. Einen Gutschein für Augenbrauen zupfen und Färben von Augenbrauen und Wimpern. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht möchte, dass ich nicht so bin, das nicht will. - Es juckt sie nicht.
Was soll ich mit dem Ding denn machen, wenn ich es dann wirklich bekomme? Es ist mein Gesicht, darüber kann ich ja wohl noch bestimmen, aber wenn ich den Schein ignoriere ist mir meine Mutter wieder böse.

Naja, irgendjemand hat mir im Komi mal die Frage gestellt, was an meinem schrecklichen Geburtstag denn so schrecklich ist. - Das zum Beispiel. - Ok, und die Tatsache, dass ich von meinem Erzeuger nicht mal mehr ne Karte oder nen Anruf bekomme. (ja, verdammt, es tut weh)

Es mag jetzt krass klingen, aber ich habe heute für mich beschlossen, dass an meinem Grab niemand Trauer heucheln muss, die er nicht empfindet.
Ich hatte ja schon länger überlegt, ob ich meinen Körper nicht an Herrn von Hagens "verkaufen" soll. Ihr wisst schon, der Plastinator. - Mal im Ernst, ob ich nun verrotte und so einen Haufen Geld koste, oder da stehe und dem einen oder anderen Studenten ein Anschauungsobjekt bin.
Auf diese Weise jedenfalls muss keiner mir etwas bezahlen, was er nicht will. Niemand muss an meinem Grab so tun, als würde ich ein Loch in irgendwelche Mitten reisen. Zumal ich mir langsam sicher bin, dass da sowieso niemand stehen würde.
Und sollte es wirklich Menschen geben, denen ich was wert bin... die tragen mich im Herzen. Die brauchen kein Grab für ihre Trauer. - Denke ich mal.

10 Kommentare:

  1. Ja,wenn man einen Menschen wirklich gerne hat,dann wird man Ihn niemals vergessen,weil man Ihm in Herzen trägt!
    aber um jetzt mal auf das Problem mit deiner Mam zu sprechen zu kommen,ich finde das du es Ihr genauso wie du es hier beschrieben hast,mal sagen solltest.Sag Ihr einfach was dir nicht gefällt,sage Ihr das du dir nicht die Augenbrauen zupfen möchtest,das du es einfach nicht magst und sie das endlich akzeptieren muss!!!Ich kann dich gut verstehen das du deinen Geburstag nicht magst.Ich würde bei meinem auch immer am liebsten die Flucht antreten.Ich weiss schon warum ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern habe!!Und ich weiss das ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe.Sonst wäre ich untergegangen!!!

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  2. Hallo Maus,
    du hast immer noch uns, vergiss das nicht. Du bist immer in unserem Herzen und wir sind immer für dich da.
    Wir haben dich ganz dolle lieb.

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  3. ...och mein kleiner Geist, mhh, ja das kenne ich auch gut, Unterschiede die Eltern machen, wenn mehr als ein Kind da ist, meine Mutter war da auch krass drin. Als ich noch bei Over-Blog war, habe ich auch mal meine Familiengeschichte geschrieben und weißt Du was, ES HAT MIR GEHOLFEN, mir das mal von der Seele zu schreiben und ich bin zu dem Schluss gekommen, das meine Mutter so gehandelt hat, weil sie selbst als Kind keine Liebe erfahren hat, also konnte sie auch keine geben oder nur bestimmten Kindern, öhja, ich gehörte da aber nicht zu, aber ich glaube ich weiß wie Du Dich fühlst, weil ich es nachempfinden kann, lieber Gruß Regina

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  4. Ach Ghost, manchmal denke ich mir, es wäre wirklich besser, wenn du ganz weit weg von deiner Mutter wärst. Die Narben aus der Vergangenheit, die vergehen nicht so einfach, aber irgendwann hören sie auf, so schrecklich weh zu tun. Aber wenn ständig neue dazukommen, wie soll man denn da jemals mit sich selbst ins Reine kommen. Ich kann auch Kessy nur zustimmen, auch wenn deine Mutter nicht auf dich hört, immerhin hättest du ihr das alles einmal gesagt.
    Liebe Grüße von Margot

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  5. Ihr seit alle so lieb zu mir. Danke dafür. Und das mit dem Aufschreiben... gut Idee. Kann ich auch mal versuchen. Nur so für mich, wenn ich Musestunden habe oder so. Doch is eine gute Idee das.

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  6. Dafür hat man doch Freunde.Das man sich auch mal irgendwo anlehnen kann wenn es einem nicht so gut geht.Ich glaube das ich auch im Namen von den anderen spreche,wenn ich sage,das wir immer für dich da sind.

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  7. Hallo kleiner Geist,

    dein Name spricht irgendwie tausend Worte. Für deine Mutter scheinst du das zu sein, für deinen Bruder scheinst du das zu sein, für deinen Erzeuger scheinst du das zu sein.... Aber Ghost sei dir gesagt, für uns bist du das NICHT! Wir lesen hier mehr oder weniger täglich deinen Blog, versuchen dich mit Worten zu trösten, auch wenn eine Umarmung manchmal besser wäre und hören dir zu, nehmen an dir und deinem Leben teil. In gewisser Art und Weise. Wir werden auch weiterhin immer für dich da sein und das mit dir überstehen.

    Versuche dir alles von der Seele zu schreiben, vielleicht hilft es dir. Und nimm all deinen Mut zusammen und schmeiß es deiner Mutter an den Kopf. Sie hat kein Recht dich so zu behandeln, du bist ihre Tochter, sie sollte auch dir gegenüber Respekt haben.

    Drück dich. LG Laila

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  8. Ich hatte auch keine "gesundes" Verhältnis zu meiner Mutter ... bis mir irgendwann mal klar wurde, dass sie nicht gegen mich gekämpft/gearbeitet hat, sondern gegen sich selbst!!! Heute weiß ich, dass es reine Hilflosigkeit von ihr war ... mit der konnte sie einfach nicht umgehen.

    Ich glaube, ich hatte Dir schon mal ein Buch von Susan Forward "Vergiftete Kindheit (elterliche Macht und ihre Folgen)" empfohlen!? Für mich war und ist dieses Buch sehr wertvoll!!!

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  9. Hallo Ghost, ich hoffe das es Dir wieder etwas besser geht, Kopf hoch, lieber Gruß Regina

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  10. Ach Mäuselchen, ich hoffe es geht Dir wieder besser. Ich hab von meinem Vater seit fast 20 Jahren auch nichts mehr gehört und scheinbar bin ich ihm auch sch...egal sonst würde er sich ja mal auf die Suche machen. Er muss ja nur mal beim Einwohnermeldeamt nachfragen. Meistens denk ich da gar nicht dran. Aber es gibt natürlich immer mal Phasen wo es dann hochkommt. Da heißt es nur Popo zusammenkneifen und durch. Warum Gedanken an jemanden verschwenden, der es scheinbar nicht wert ist.
    Aber ick würde mir keene Gedanken drüber machen, wer bei mir am Grab steht und wer nicht. Ick bekomme es dann eh nicht mehr mit. Von mir aus kann man mich och ins Meer schmeißen, dann haben die Fische wenigstens wat zu knabbern :o)

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Ich kontrolliere den Post und veröffentliche ihn dann. Vielen Dank fürs Lesen